Mit meinem Blog verhält es sich wie mit John Rambo: Beide sehen so aus, als hätten sie ihre besten Zeiten hinter sich. Um beide ist es so ruhig geworden, dass man meinen könnte, es gäbe sie bereits nicht mehr. Und doch tauchen beide in unregelmäßigen Abständen wieder auf und zeigen, dass immer noch Leben in ihnen steckt. Ob sich das am Leben halten dieses Blogs lohnt, müsst ihr irgendwann entscheiden. Ob sich der neueste Kinoauftritt des berühmten Vietnam-Veteranen meiner Meinung nach lohnt, verrate ich euch … jetzt.

Worum geht’s

John Rambo (Sylvester Stallone) lebt zurückgezogen auf der Ranch seines verstorbenen Vaters, wo er in dessen Haushälterin Maria (Adriana Barraza) und deren Enkelin Gabrielle (Yvette Monreal) eine kleine Ersatzfamilie gefunden hat. Als Gabrielle gegen den Wunsch von Maria heimlich nach Mexiko aufbricht, um dort ihren leiblichen Vater zu suchen, wird sie von Menschenhändlern entführt. Als Maria und Rambo klar wird, dass Gabrielle etwas zugestoßen sein muss, begibt Rambo sich auf die Suche …

Meine Meinung

Ich fasse mal kurz zusammen, was ich bislang über „Rambo: Last Blood“ gelesen habe: 70 Minuten Langeweile gefolgt von 20 Minuten solider und äußerst brutaler Action, die einigermaßen versöhnlich stimmt.

Das Problem ist: Ich habe den Film komplett anders erlebt.

Während sich die meisten Zuschauer an der ruhigen Geschichte rund um Gabrielles Entführung zu stören scheinen und die finale Konfrontation offenbar als actionreiche Erlösung von der Langeweile ansehen, ging es mir genau andersherum. Mir haben sowohl die ruhige Einführung auf der Farm als auch Rambos Suche in Mexiko deutlich besser gefallen als das, was darauf folgt. Gut, nun bin ich vielleicht auch kein geeigneter Maßstab. Schon in „Rambo 2“ ist es nicht die Action, die mich immer wieder abholt, sondern der Moment, wenn Rambo während der Fahrt auf dem Fluss erklärt, dass er entbehrlich sei. Analog hierzu gibt es in „Rambo: Last Blood“ eine Szene, in der John seiner Ziehtochter gesteht, dass er sich niemals geändert hat, sondern sein wahres Ich nur tagtäglich unterdrückt. Eine Szene, die nur ein paar Sekunden dauert, für mich jedoch zu den stärksten Momenten des Films gehört. Nicht zuletzt, weil Stallone es wie schon in „Rambo 2“ schafft, die Melancholie seiner Figur in diesem Moment greifbar zu machen.

Zugegeben, weder weiß der Film wirklich Neues zu erzählen, noch sind die Figuren originell gezeichnet. Und mit dem, was vermutlich die meisten Zuschauer von einem Rambo-Film erwarten, hat die ganze Chose auch recht wenig zu tun. Dennoch haben sowohl die Geschichte als auch die Figuren in all ihrer Einfachheit für mich funktioniert, so dass mir insbesondere Gabrielles Schicksal durchaus nahe ging.

Auf den actionreichen Showdown trifft dies hingegen leider nur bedingt zu. Wenn Rambo im Tunnelsystem unter seiner Farm mit zahlreichen Waffen und Fallen zum brutalen Gegenschlag ausholt, hätte dies durchaus eine atmosphärische Angelegenheit werden können. Leider jedoch beschränkt sich der Film darauf, Rambo nahezu im Sekundentakt Feinde töten zu lassen – in einer Geschwindigkeit und so schnell geschnitten, dass bei mir keinerlei Spannung aufkommen wollte. Versteht mich bitte nicht falsch: Nett anzuschauen ist das Finale (trotz unnötiger CGI) natürlich dennoch, aber mit ein wenig mehr Laufzeit und ein paar Verschnaufpausen zwischen den einzelnen Opfern hätte hier etwas weitaus Packenderes entstehen können. Wirklich schade.

Mein Fazit

Ruhig erzählter Actionthriller, der mich auch ohne besondere Kniffe gut unterhalten hat. Zu schade, dass die Macher beim actionreichen Finale mehr Wert auf Brutalität als auf Atmosphäre und Spannung gelegt haben.

Meine Wertung: 6/10

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