Im Kino gesehen: „Jurassic World“

Als „Jurassic Park“ 1993 in unseren Kinos startete, war ich 16 Jahre alt. Und von dem Film, wie so ziemlich jeder Junge meines Alters, absolut begeistert. Heute bin ich 37 so gut wie 38 Jahre alt. Und von dem Film immer noch begeistert wie am ersten Tag. „Jurassic Park“ ist in meinen Augen ein Paradebeispiel für einen gelungen Blockbuster und hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Die 1997 und 2001 entstandenen Fortsetzungen „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“ können dem ersten Teil zwar nicht das Wasser reichen, werden meiner Meinung nach aber dennoch unter Wert gehandelt, bieten sie doch trotz ihrer zweifellos vorhandenen Mängel kurzweilige und spannende Unterhaltung. Und ja, das gilt auch und insbesondere für den in Filmliebhaberkreisen unbeliebten dritten Teil.

Seit gestern läuft mit „Jurassic World“ nun der vierte Film der Abenteuerreihe in unseren Kinos. Erstmals ohne die Veteranen Sam Neill und Jeff Goldblum, dafür mit dem derzeit (vollkommen zu recht) angesagten Chris Pratt. Statt zu essen, habe ich es mir gestern in der Mittagspause im Kino gemütlich gemacht. Und kam zwar hungrig, aber auch zutiefst zufrieden wieder zurück ins Büro …

Worum geht’s

Die grausamen Ereignisse gehören der Vergangenheit an, John Hammonds Traum ist wahr geworden: Seit zehn Jahren strömen täglich Zehntausende in den beliebten Dinosaurier-Themenpark Jurassic World und erfreuen sich an den ehemals ausgestorbenen Tieren. Um den schwindenden Gästezahlen entgegenzuwirken, kreieren die Forscher eine neue Attraktion, den Indominus Rex. Dieser entpuppt sich jedoch nicht nur als äußerst aggressiv, sondern auch als außergewöhnlich intelligent. Als dem Tier die Flucht aus seinem Gehege gelingt, bricht im Park das Chaos aus. Während Parkleiterin Claire (Bryce Dallas Howard) und Velociraptoren-Trainer Owen (Chris Pratt) versuchen, die Gäste in Sicherheit zu bringen, sieht der zwielichtige Hoskins (Vincent D’Onofrio) den richtigen Moment gekommen, um zu beweisen, dass Velociraptoren nicht bloß tödliche Tiere sind, sondern in den richtigen Händen auch eine perfekte Waffe darstellen können …

Meine Meinung

Ich mach’s kurz: „Jurassic World“ ist eine mehr als würdige Fortsetzung, die den dritten Teil spielend hinter sich lässt und sich zwar deutlich hinter (dem vermutlich unerreichbaren) „Jurassic Park“, aber knapp vor dessen unmittelbarer Fortsetzung „Vergessene Welt“ einordnet. Regisseur Colin Trevorrow verlässt sich auf die Stärken des Originals und bietet dem Publikum eine packende Hetzjagd mit größtenteils famosen Actionszenen und Effekten, begeht dabei aber glücklicherweise nicht den Fehler, sich in monotoner Daueraction zu verlieren. Wie schon in „Jurassic Park“ gibt es auch in „Jurassic World“ immer wieder Zeit zum Durchatmen, in der die Geschichte dezent vorangetrieben wird und neue, wenn auch meist vorhersehbare Erkenntnisse ans Licht kommen. Wer den ersten Teil gut kennt, darf sich zusätzlich auf zahlreiche Anspielungen freuen, die überall im Film darauf warten, vom aufmerksamen Zuschauer entdeckt zu werden. Und natürlich darf auch John Williams‘ tolles „Jurassic Park“-Theme nicht fehlen. Alleine für den Moment, in dem dieses Musikstück zum ersten Mal gespielt wird, lohnt sich das Eintrittsgeld.

Was „Jurassic World“ hingegen leider komplett fehlt, sind markante Figuren wie ein Dr. Alan Grant oder ein Dr. Ian Malcolm. Versteht mich bitte nicht falsch, Bryce Dallas Howard und Chris Pratt sind wie immer sympathisch und machen ihre Sache durchaus ordentlich, doch bleiben ihre Charaktere erschreckend blass, letztlich austauschbar und dementsprechend auch nicht lange in Erinnerung. Dasselbe gilt für die Filmmusik, die, vom Original-Theme abgesehen, keinerlei Wiedererkennungswert besitzt. Außerdem, und damit komme ich zu meinem letzten Kritikpunkt, wirkt das Finale dann doch etwas zu dick aufgetragen. Selbst für einen Film mit genetisch manipulierten Dinosauriern.

Mein Fazit

Spannender Abenteuerfilm mit tollen Effekten und packender Action, aber auch mit blassen Figuren und dadurch verschenkten Darstellern. Andererseits sind die wahren Stars ohnehin die Dinosaurier – und diese sind über alle Zweifel erhaben.

Meine Wertung: 8/10

STOPP! Bevor ihr aufhört zu lesen, möchte ich euch noch den Text „Jurassic Park (USA 1993) – Als die Computer laufen lernten“ des Filmblogs Duoscope ans Herz legen! Informativ und interessant geschrieben – wer sich auch nur ansatzweise für „Jurassic Park“, dessen Entstehung und dessen Auswirkungen interessiert, ist hier richtig!

Zum Schluss noch weitere Stimmen aus der deutschen Film-Blogosphäre:

Der Filmtipp
Filmfraß
Filmherum
Wessels-Filmkritik.com

Ein Actionfilm, geschaffen für die große Leinwand: „Mad Max: Fury Road“

Die drei „Mad Max“-Filme gehören ohne Zweifel zu den Actionklassikern. Nicht nur, weil sie dem damals noch unbekannten Mel Gibson die Türen in Hollywood öffneten, sondern insbesondere aufgrund der packenden Actionszenen und des immer wieder durchschimmernden Wahnsinns. Was Regisseur George Miller aus seinem doch arg beschränkten Budget herauskitzelte, war einfach fantastisch. Und ist es auch heute noch, obgleich ich finde, dass insbesondere der erste Teil mehr schlecht als recht gealtert ist und jeder der drei Filme so seine Längen hat. Exakt 30 Jahre nach „Mad Max: Jenseits der Donnerkuppel“ lässt Miller den knallharten Ex-Cop Max Rockatansky nun wieder auf das Publikum los. Und eines verrate ich euch gleich jetzt: Bei „Mad Max: Fury Road“ handelt es sich nicht um den peinlichen Versuch eines alternden Regisseurs, noch ein Mal auf einer längst vergangenen Erfolgswelle zu reiten. Nein, „Mad Max: Fury Road“ ist ein Weckruf für das moderne Actionkino und eine schallende Ohrfeige für Filme wie „Transformers: Ära des Untergangs“ und „Fast & Furious 7“!

Worum geht’s

„Wir sind keine Sachen!“ Weil sie sich nicht ihrem Schicksal ergeben und dem Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) nicht länger als Sexsklavinnen und Gebärmaschinen dienen wollen, lassen sich fünf junge Frauen (u.a. Rosie Huntington-Whiteley und Zoë Kravitz) von der Killerin Imperator Furiosa (Charlize Theron) in einem bewaffneten Tanklaster aus dessen Enklave schmuggeln. Doch Immortan Joe bemerkt den Verrat und nimmt gemeinsam mit seiner Armee die Verfolgung auf. Unfreiwillig an der Jagd beteiligt: Max Rockatansky (Tom Hardy), der kurz zuvor gefangen genommen wurde und nun dem jungen War Boy Nux (Nicholas Hoult) auf dessen Kühlergrill als menschlicher Blutbeutel dient …

Meine Meinung

Immer wieder lese ich die Frage, was „Mad Max: Fury Road“ denn nun eigentlich sei. Ein Remake? Eine Fortsetzung? Fragt ihr mich, ist die Antwort auf diese Frage eindeutig: ein Best of! Schöpfer George Miller hat nicht weniger getan, als sich von unnötigem Ballast zu trennen und all das, was die Fans an der Mad-Max-Reihe lieben, in einen einzigen Film zu packen. Herausgekommen ist dabei ein audiovisueller Overkill, den ich in dieser Konzentration noch nicht gesehen habe. Zugegeben, nüchtern betrachtet ist der Film letztlich nichts anderes als eine fast zweistündige Verfolgungsjagd. Aber was für eine! Während die monotone und beliebig wirkende Action in modernen Blockbustern wie den oben bereits genannten „Transformers: Ära des Untergangs“ und „Fast & Furious 7“ nach kurzer Zeit ermüdet, zeigt „Mad Max: Fury Road“ eindrucksvoll, wie packend endlos lange und ausurfernde Actionszenen doch sein können. Wieso die Action in diesem Film so gut funktioniert, ist schnell erklärt: Miller und sein Team haben weitestgehend auf CGI verzichtet und setzen stattdessen auf echte Sets und echte Stunts, was den beeindruckend choreografierten Actionszenen in jeder Sekunde anzusehen ist und ihnen eine ganz besondere Wucht verleiht. Angetrieben von einem donnernden Score (der übrigens so fantastisch ist, dass ich ihn gerade höre, während ich diese Zeilen schreibe), vollbringen die Stuntleute wahrlich Beeindruckendes und zeigen dem CGI-verseuchten Hollywood völlig zu recht den staubig-blutigen Mittelfinger. Dass sich die Action trotz ihrer Dominanz nicht wiederholt, sondern stets abwechslungsreich und kreativ bleibt, ist dabei das berühmte i-Tüpfelchen.

Hinzu kommt, dass es in jeder Szene etwas zu entdecken gibt. Den in den vorangegangenen drei Filmen immer wieder durchblitzenden Wahnsinn treibt Miller hier rücksichtslos auf die Spitze und pfeift dabei auf die Sehgewohnheiten des Mainstream-Publikums, so dass ich trotz der durchaus düsteren und hoffnungslosen Atmosphäre mehrmals grinsen und kichern musste. Der mit einer zum Flammenwerfer umgebauten E-Gitarre bewaffnete Doof Warrior (gespielt vom australischen Musiker iOTA), der die Jagd auf einem Wagen voller Lautsprecher begleitet, ist dabei nur das offensichtlichste Beispiel.

Auch wenn „Mad Max: Fury Road“ von seiner Action und der mehr als gelungenen Optik im Zusammenspiel mit dem grandiosen Soundtrack lebt, soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Film durchaus eine Geschichte zu erzählen hat. Wenn auch eine, die den titelgebenden Helden Max Rockatansky gar nicht gebraucht hätte. Nein, der eigentliche Star des Films ist Charlize Theron, die als nach Vergebung suchende Furiosa so gut wie jede Szene (insbesondere die seltenen ruhigen Momente) an sich reißt und den einsilbigen und oft nur Grunzlaute von sich gebenden Max zur Nebenfigur degradiert. Auf den Punkt gebracht, handelt „Mad Max: Fury Road“ von sechs starken Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt ihre Selbstbestimmung zurück erkämpfen. Dass sie bei diesem Kampf zufällig auf einen Mann treffen, der die Frauen einen Stück ihres Weges begleitet und sie unterstützt, ohne sich zum Retter aufzuspielen, muss dabei ja kein Nachteil sein …

Mein Fazit

Selten war der Werbeslogan „Kino – dafür werden Filme gemacht!“ passender als hier: „Mad Max: Fury Road“ ist ein audiovisuelles Meisterwerk, ein Pflichtfilm für alle Actionfans und, steinigt mich ruhig, der bislang beste Teil der Reihe. Wenn eure Enkelkinder euch später fragen, wo ihr gewesen seid, als „Mad Max: Fury Road“ lief, sollte es nur eine Antwort geben: im Kino!

Meine Wertung: 9/10 (und einen Punkt Abzug gibt’s auch nur, weil ich mir sicher bin, dass der Film später im Heimkino längst nicht mehr so imposant wirken wird)

Ein kurzes Fazit zu … „Der Babadook“

Die alleinerziehende Mutter Amelia (Essie Davis) leidet unter ihrem schwer erziehbaren Sohn Samuel (Noah Wiseman). Dass sie ihren Mann kurz vor Samuels Geburt auf dem Weg ins Krankenhaus verloren hat und durch Samuel täglich an diesen Verlust erinnert wird, macht die Situation für Amelia noch schwerer. Eines Tages entdeckt Samuel das Buch „Der Babadook“ und bittet seine Mutter darum, ihr daraus vorzulesen. Die grausame Geschichte verstört Samuel so sehr, dass er glaubt, der Babadook existiere tatsächlich und bedrohe nicht nur ihn, sondern auch seine Mutter. Schon bald überträgt sich Samuels Angst auch auf Amelia …

Ob der als Horrorfilm vermarktete „Der Babadook“ tatsächlich dem Horrorgenre zugeordnet werden kann oder nicht eher als verstörendes Familiendrama zu betrachten ist, darüber lässt sich nach Filmende vorzüglich diskutieren. Unstrittig dürfte hingegen sein, dass der erfolgreich auf psychologische Spannung setzende Film intelligenter ist als der Großteil aller aktuellen Genreproduktionen, die düstere Atmosphäre von Anfang bis Ende fesselt und die Darsteller eine schlicht fantastische Leistung zeigen. Insbesondere der junge Noah Wiseman schafft es, seine Figur nicht ausschließlich nervig, sondern gleichzeitig so verletzlich zu spielen, dass ich trotz des schwierigen Charakters durchaus Sympathie und Mitgefühl für den Jungen empfand. Und auch Essie Davis spielt die verzweifelte Mutter, die den Tod ihres Mannes nie verarbeitet hat und noch heute unter den Folgen leidet, so glaubhaft und differenziert, dass es mir schwer fiel, kein Verständnis für ihre Figur zu zeigen.

Dass der Film es außerhalb von Fankreisen dennoch schwer haben wird, dürfte an der Entscheidung der Macher liegen, das Gezeigte nicht abschließend zu erklären. Stattdessen lässt der Film nicht nur viel Platz für Interpretationen, sondern fordert diese vom Publikum geradezu ein. Und wie wir alle wissen, gefällt es nicht jedem Zuschauer, selbst denken und eigene Schlüsse ziehen zu müssen …

Im Kino gesehen: Warte, bis es dunkel wird

1946 wurden in Texarkana mehrere Menschen brutal ermordet. Der Täter, von der Presse Phantom-Killer getauft, hatte es auf Liebespaare abgesehen und konnte, trotz immenser Bemühungen durch die Behörden, nie identifiziert und demzufolge auch nie gefasst werden. 1976 nutzte Regisseur Charles B. Pierce diese realen Geschehnisse für seinen Film „Der Umleger“ („The Town That Dreaded Sundown“), den die Bewohner von Texarkana wohl nicht ausschließlich positiv aufnahmen. Dennoch findet in Texarkana seit einiger Zeit eine jährliche Open-Air-Vorführung des Films statt – womit wir bei Alfonso Gomez-Rejons Slasher „Warte, bis es dunkel wird“ angekommen sind, der derzeit in unseren Kinos läuft.

Worum geht’s

Weil ihnen der Film „Der Umleger“ nicht gefällt, beschließen Jami (Addison Timlin) und Corey (Spencer Treat Clark) die Open-Air-Vorführung zu verlassen und sich stattdessen im Wald ein wenig näherzukommen. Dort wird das junge Paar von einem Unbekannten angegriffen. Der optisch dem Phantom-Killer ähnelnde Mann ermordet Corey, lässt Jami jedoch am Leben, damit diese den Behörden eine mysteriöse Botschaft überbringen kann. Während die Polizei unter der Leitung des Spezialermittlers Lone Wolf Morales (Anthony Anderson) im Dunkeln tappt, schlägt der Mörder erneut und erneut zu. Da der Täter dem Muster der 1976er Verfilmung folgt, vermutet Jami einen Zusammenhang zwischen den Morden und dem Film „Der Umleger“. Und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …

Meine Meinung

Hut ab! Die Macher von „Warte, bis es dunkel wird“ verknüpfen geschickt Realität und Fiktion und erschaffen hieraus einen blutig-atmosphärischen Slasher, der das Rad zwar nicht komplett neu erfindet, sich jedoch einen Platz deutlich über dem Durchschnitt sichert. Dass eine reale Mordserie und der daraus entstandene Film als Vorlage für eine fiktive Mordserie dienen, ist meines Wissens nach einzigartig. Zumindest habe ich solch eine Konstellation vor „Warte, bis es dunkel wird“ nicht gesehen. Mit dem Hintergrundwissen, dass die ersten Morde tatsächlich stattgefunden haben, erzeugt der Film eine ganz eigene Spannung und Atmosphäre. Hierzu trägt auch die über alle Zweifel erhabene Optik bei, die es schafft, dank schräger Kamerawinkel und eines extremen Weichzeichners einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. Einen Stil, der gleichzeitig modern wirkt, aber auch als Verbeugung vor den Filmen der 70er angesehen werden kann und extrem stimmig ausfällt.

Weit weniger originell sind die Morde ausgearbeitet, was jedoch nicht zuletzt der filmischen Vorlage und somit der Geschichte geschuldet ist. Dafür fallen die Taten für eine 16er-Freigabe überraschend explizit aus – glücklicherweise ohne dabei comichaft überzeichnet zu wirken, so dass der Film auch in diesen Momenten seine ernste Stimmung nicht verliert.

Leider, und damit komme ich zum einzigen, dafür aber auch gravierenden Schwachpunkt von „Warte, bis es dunkel wird“ haben die Macher bei der finalen Auflösung etwas zu viel gewollt. Selten lagen „Ich hab’s von Anfang an gewusst!“ und „Bitte? Was für ein Mist!“ so eng beieinander. Wirklich schade, da der Film eine Auflösung dieser Art weder nötig gehabt hätte noch verdient hat.

Mein Fazit

Atmosphärisch überzeugender sowie optisch hervorragender Slasher mit interessanter Geschichte – und einer extrem hanebüchenen Auflösung.

Meine Wertung: 7/10

Im Kino gesehen: Fast & Furious 7

Was hatte ich mich auf „Fast & Furious 7“ gefreut. Endlich sollte der meiner Meinung nach stark unterschätzte und zeitlich zwischen Teil 6 und 7 angesiedelte „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ in die Reihe integriert werden. Und dann war da noch der düster dreinblickende Jason Statham, der im gelungenen Cliffhanger des sechsten Films als neuer Gegner eingeführt wurde. Was könnte da schon schiefgehen? Leider eine ganze Menge …

Worum geht’s

Den Terroristen Owen Shaw (Luke Evans) konnten Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Freunde aufhalten, haben damit aber den Zorn von Owens Bruder Deckard Shaw (Jason Statham) auf sich gezogen. Der hervorragend ausgebildete Ex-Agent befördert Hobbs (Dwayne Johnson) ins Krankenhaus, tötet Han (Sung Kang) und sprengt das Haus der Torettos in die Luft. Um Deckard zu fassen, gehen Toretto und sein Team auf ein Angebot des mysteriösen Mr. Nobody (Kurt Russel) ein. Dieser benötigt einen Computerchip, um ein modernes Überwachungssystem, das Auge Gottes, in Betrieb nehmen zu können. Mit diesem Überwachungssystem wäre es möglich, Deckard ausfindig zu machen und vom Gejagten zum Jäger zu werden. Allerdings befindet sich der Hacker Ramsey, die einzige Person, die weiß, wo sich dieser Chip befindet, in den Händen der Terroristen Jakande (Djimon Hounsou) und Kiet (Tony Jaa) …

Meine Meinung

„Fast & Furious 7“ beginnt vielversprechend. Deckard Shaw besucht in einer friedlichen Szene seinen im Koma liegenden Bruder im Krankenhaus. Erst beim Verlassen des Gebäudes erfährt das Publikum, dass Deckard das halbe Krankenhaus in Schutt und Asche gelegt hat, um seinen Bruder besuchen zu können – und es offenbar nichts und niemanden gibt, was ihn daran hindern kann, sein Ziel zu erreichen. Genau so führt man einen ernstzunehmenden Gegner ein! Leider ist von der durch Deckard Shaw ausgehenden Bedrohung im späteren Film nicht mehr viel zu spüren, so dass nicht nur dieser gelungene Einstieg, sondern auch Jason Statham komplett verschenkt wirkt. Dasselbe gilt für Djimon Hounsou, Tony Jaa und insbesondere Ronda Rousey, die zwar allesamt böse gucken dürfen, letztlich aber nicht viel mehr als größere Gastauftritte absolvieren und dem Team nur selten ernsthaft gefährlich werden.

Deutlich interessanter als die Gegner sind die scheinbar unmöglichen Missionen, die das Team erfüllen muss, um Deckard Shaw aufhalten zu können. Mal muss ein Hacker aus einem bewachten Konvoi befreit, mal ein Chip aus dem obersten Stock eines Hochhauses in Abu Dhabi gestohlen werden – wie es der Zufall will, während einer Party der Reichen und Schönen. Es hätte mich nicht gewundert, wären Toretto und sein Team dort auf Ethan Hunt gestoßen, an dessen Abenteuer der Film in seinen besten Momenten erinnert.

Leider steht diesen durchaus unterhaltsamen Episoden der Verzicht auf jeglichen Realismus im Weg. Was sich bereits im letzten Teil andeutete, wird im siebten Film der Reihe nun auf die Spitze und darüber hinaus getrieben. Dass Autos mit Fallschirmen aus einem Flugzeug geworfen werden und wie durch ein Wunder auf der Straße landen – geschenkt. Immerhin darf diese Szene in all ihrer Absurdität für einen durchaus gelungenen Witz herhalten. Doch dass ein Sportwagen zwischen den Etihad-Türmen umherspringt, Beifahrer während der Fahrt im Drift die Autos durch die Seitenscheiben wechseln und Sprengstoff im Sprung an anderen Fahrzeugen angebracht wird (ihr erinnert euch an die ähnlich alberne Szene in „Transporter – The Mission“?), ist so dermaßen dämlich, dass es keinen Spaß mehr bereitet.

Hinzu gesellt sich eine im letzten Drittel ausufernde und an die „Transformers“-Reihe erinnernde Materialschlacht, die umso stärker ermüdet, je länger sie dauert. Wenn hier alles in Schutt und Asche gelegt wird, ist das weder originell noch packend. Nicht zuletzt, da die Schnitte in den Actionszenen zuweilen recht hektisch ausfallen, so dass die Übersichtlichkeit nicht immer gegeben ist, was sich insbesondere in den an sich gut choreographierten Mann-gegen-Mann bzw. Frau-gegen-Frau-Kämpfen störend auswirkt.

Die Themen Freundschaft und Familie sind selbstverständlich auch in „Fast & Furious 7“ wieder die Eckpfeiler der Geschichte, wirken stellenweise jedoch unausgereift und aufgesetzt. Dass Mia zum Beispiel ihren Brian einmal mehr in den möglichen Tod schickt, wirkt mit Blick auf die Umstände alles andere als glaubhaft. Und der durchaus sentimentale Abschied in der Endsequenz ergibt mit Blick auf Paul Walkers tragischen Tod durchaus Sinn, will aber nicht so recht in den Kontext des Films passen. Hier merkt man als Zuschauer schon recht deutlich, dass das Team sich nicht von der Figur Brian O’Conner, sondern von seinem Freund und Kollegen Paul Walker verabschiedet. Unpassend? Vielleicht. Aber auch gnadenlos ehrlich. Und ein Beweis dafür, dass das Filmteam das Herz am rechten Fleck trägt.

Mein Fazit

Hoffnungslos übertriebenes Spektakel, das nach einem gelungenen Einstieg mit Vollgas ins Absurde rast und am Ende in seiner eigenen Action untergeht.

Meine Wertung: 6/10

Im Kino gesehen: Guardians Of The Galaxy

Ich nehme ein Fazit nur ungern vorweg, mache in diesem Fall aber eine Ausnahme: Falls ihr plant, in diesem Herbst (als Spätsommer lässt sich das da draußen ja nur noch mit einer ungesunden Portion Realitätsverweigerung bezeichnen) nur einen einzigen Kinofilm zu schauen und ihr euch auch nur ansatzweise für Science-Fiction und/oder Comic-Verfilmungen und/oder einfach verdammt unterhaltsame Filme interessiert, dann schaut „Guardians Of The Galaxy“. Einen besseren Film werdet ihr, sofern kein Wunder geschieht, in absehbarer Zeit nicht sehen. Und nein, ich übertreibe nicht!

Worum geht’s

Als kleiner Junge wurde Peter Quill (Chris Pratt) unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter von einem Raumschiff entführt. 26 Jahre später nennt er, und nur er, sich „Star Lord“ und verdient sich seinen Lohn als Weltraumpirat. Sein neuester Auftrag führt Peter in eine alte Ruine, wo er eine als „Orb“ bekannte Metallkugel bergen soll. Peter findet den Orb, wird jedoch von den Gefolgsleuten des skrupellosen Ronan (Lee Pace) angegriffen, der den Orb benötigt, um seine finsteren Pläne zu verwirklichen. Peter kann entkommen und sucht seinen Hehler auf dem Planeten Xandar auf, der Peter jedoch abblitzen lässt, als er erfährt, dass Ronan ebenfalls nach dem Orb sucht. Statt wie geplant seine Beute zu verkaufen, wird Peter von der Auftragskillerin Gamora (Zoe Saldana) und den beiden Kopfgeldjägern Rocket (ständig sprechender Waschbär) und Groot (selten sprechender Baum) angegriffen. Nach einem kurzen Kampf werden die vier von den örtlichen Sicherheitskräften verhaftet und in ein Weltraumgefängnis verlegt, wo sie auf den kräftigen, aber eher schlicht gestrickten Drax (Dave Bautista) treffen, dessen Familie einst von Ronan brutal ermordet wurde. Widerwillig schließen sich die fünf zusammen, um aus dem Gefängnis zu entkommen und den Orb loszuwerden, ohne ihn Ronan zu überlassen …

Meine Meinung

Es kommt äußerst selten vor, dass ich zwei Stunden lang zufrieden und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, welches höchstens durch herzhaftes Lachen unterbrochen wird, im Kino sitze. „Guardians Of The Galaxy“ hat dieses Kunststück geschafft – und ist damit schon jetzt mein offizieller Lieblingsfilm des Jahres 2014. Was Regisseur James Gunn („Slither“, „Super“) hier auf die Leinwand gezaubert hat, ist schlicht als grandios zu bezeichnen. Und das trotz mehrerer kleiner Schwächen, die sich der Film zwar durchaus leistet, die ihm allerdings in keinster Weise schaden.

Wer die schleimige Science-Fiction-Horror-Komödie „Slither“ und den so brutalen wie tragikomischen Möchtegern-Superhelden-Film „Super“ gesehen hat, weiß, dass Regisseur James Gunn über ein ausgeprägtes Gespür für schräge Figuren und treffsichere Dialoge verfügt. Und genau davon profitiert „Guardians Of The Galaxy“ in so gut wie jeder Szene. Schon die Einführung des erwachsenen Peter Quill (inklusive der Titeleinblendung des Films) ist so dermaßen überdreht-sympathisch, dass mir bereits nach wenigen Minuten klar war, dass ich diese Figur und letztlich den gesamten Film lieben würde. Mit dem Auftreten der übrigen Guardians läuft Gunn dann zur Höchstform auf und brennt ein Feuerwerk aus gelungener Situationskomik, lässigen Onelinern, augenzwinkernden Dialogen und herrlicher 80er-Jahre-Musik ab, während die Stimmung der einzelnen Szenen zwischen unterhaltsam, urkomisch und zuweilen auch nachdenklich und tragisch munter hin und her wechselt. Dass die Figuren dabei stets glaubhaft bleiben und niemals lächerlich wirken (zur Erinnerung: es spielen ein vorlauter Waschbär und ein sprechender Baum mit), ist die wohl größte Stärke des Films, der zwar äußerst humorvoll daherkommt, zugleich aber auch Respekt vor den Figuren beweist und der erschaffenen Welt mit dem nötigen Ernst begegnet.

Die Auswahl der Darsteller darf ebenfalls als gänzlich gelungen bezeichnet werden, wobei insbesondere Hauptdarsteller Chris Pratt hervorzuheben ist, der als sympathisch-überheblicher Peter Quill wohl den Sprung in Hollywoods A-Liga geschafft haben dürfte. Als Mischung aus Han Solo und Indiana Jones dürfte Pratt die Herzen des Publikums im Nu erobern, auch wenn er von einem zynischen Waschbären und einem wortkargen Baum zuweilen an die Wand gespielt wird. Und auch in den Nebenrollen kann die Besetzung unter anderem mit Glenn Close, John C. Reilly, Djimon Hounsou und Benicio Del Toro punkten. Besonders gefreut habe ich mich jedoch über die Auftritte von Michael Rooker und Gregg Henry, mit denen Gunn bereits in „Slither“ zusammengearbeitet hatte.

Schräge Figuren, sympathische Darsteller, gelungener Humor, bissige Dialoge, tolle Musik – und was ist mit den bereits erwähnten Schwächen des Films? Nun, wer unbedingt meckern möchte, darf sich gerne an der nur mäßig bis gar nicht originellen Geschichte und den zwar toll getricksten, aber insgesamt doch eher unspektakulären Actionszenen stören. Und daran, dass insbesondere Gamora und Bösewicht Ronan trotz grüner bzw. blauer Hautfarbe etwas zu blass bleiben. Doch mal ehrlich: Wen stört das, wenn das Gesamtpaket so unfassbar viel Spaß bereitet?

Mein Fazit

Extrem unterhaltsames Science-Fiction-Abenteuer mit Gute-Laune-Garantie und tollem 80er-Jahre-Soundtrack, dessen zwei Stunden Laufzeit wie im Flug vergehen. „The Guardians of the Galaxy will return“ verspricht der Film am Ende – wehe wenn nicht!

Meine Wertung: 10/10

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