Im Kino gesehen: The World’s End

2004 ließ Regisseur Edgar Wright die Freunde Simon Pegg und Nick Frost in „Shaun Of The Dead“ gegen Zombies antreten, 2007 folgte mit „Hot Fuzz“ der Kampf gegen schwer bewaffnete Kleinstädter. Mit „The World’s End“ legt das Dreiergespann nun den Abschluss der sogenannten „Blut und Eiscreme“-Trilogie vor. Die Erwartungen der Fan-Gemeinde waren riesig – und auch wenn diese nicht vollends erfüllt werden, haben Wright, Pegg und Frost einmal mehr einen herrlich schrägen und unterhaltsamen Film abgeliefert …

Worum geht’s

Als Jugendliche versuchten sich Gary King und seine Freunde an der „Goldenen Meile“, einer in Newton Haven legendären Kneipentour, die durch zwölf Pubs bis ins World’s End führt. Und scheiterten. 20 Jahre später trommelt Gary (Simon Pegg) seine Freunde von damals (Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman und Eddie Marsan) wieder zusammen, um diese unerledigte Angelegenheit ein für alle Mal abzuschließen. In Newton Haven angekommen, müssen die fünf Musketiere erkennen, dass die Stadt noch langweiliger geworden ist, als sie sie ohnehin in Erinnerung hatten. Nicht nur die Pubs sehen sich erschreckend ähnlich, auch die Einwohner verhalten sich nahezu emotionslos. Als Gary sich auf dem Klo mit einem Jugendlichen anlegt, was in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mündet, kommt er einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur …

Meine Meinung

„The World’s End“ beginnt exakt so, wie ich es mir gewünscht hatte: Mit sympathischen Figuren, pointierten Dialogen und einer Prise Gesellschaftskritik. Die Einführung sowie die Wiedervereinigung der Figuren ist extrem witzig geraten und steckt voller schnippischer Dialoge, die man beim ersten Mal vermutlich gar nicht alle richtig zu würdigen weiß. Die Ankunft im Heimatort gerät zu einer Abrechnung mit der Globalisierung und der daraus resultierenden fehlenden Individualität. Dass sämtliche Pubs inzwischen so weit „verstarbuckt“ wurden, dass sie sich nicht mehr voneinander unterscheiden lassen und sich wie ein Ei dem anderen gleichen, wird hier grandios eingefangen und sorgt abermals für jede Menge Schmunzler. Und in den etwas leiseren Momenten des Films wird den Figuren beinahe beiläufig Tiefe verliehen, indem längst vergessen geglaubte Erinnerungen aus der Vergangenheit ans Tageslicht gebracht werden. So weit, so gelungen.

Leider verliert sich der Film ein wenig in sich selbst, je mehr die eigentliche Handlung an Fahrt aufnimmt. Zwar bereitet es weiterhin Spaß, der aus „Die Frauen von Stepford“, „Die Körperfresser kommen“ und „Das Dorf der Verdammten“ zusammengesetzten Geschichte zu folgen, doch regen einige Szene auch zum kräftigen Kopfschütteln an. Insbesondere Garys Verhalten lässt zeitweise jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen, auch wenn versucht wird, dem Zuschauer die hinter seinen Taten stehende Logik aus Garys Sicht zu erklären. Und die finale Auseinandersetzung mit der für die Ereignisse verantwortlichen Macht ist so schräg, dass ich selbst heute, zwei Tage nach dem Kinobesuch, nicht weiß, was ich davon halten soll. Dennoch überzeugt auch die zweite Hälfte des Films, wenn auch mit Abstrichen, durch nette Seitenhiebe, zum Beispiel auf den anhaltenden Jugendwahn, ein flammendes Plädoyer für das Recht auf Fehler sowie den wohl gelungensten Cornetto-Auftritt der Trilogie.

Mein Fazit

Auch wenn „The World’s End“ nicht ganz die Klasse seiner Vorgänger erreicht, stellt der Film einen gelungenen Abschluss der „Blut und Eiscreme“-Trilogie dar. Für Fans des Wright-Pegg-Frost-Trios ohnehin ein Pflichttitel!

Meine Wertung: 7/10

Ab morgen auf Blu-ray und DVD: Noobz – Game Over (inkl. Gewinnspiel)

Hallo, mein Name ist Sven. Ich bin 35 Jahre alt. Und ich bin Videospieler. [den Applaus abwartend] So, jetzt ist es raus. Ja, ich spiele Videospiele. Und das bereits seit meiner Kindheit. Um genau zu sein, seit ich mir als kleiner Junge von meinem Ersparten das Sega Master System ins Kinderzimmer geholt und mit Sonic den fiesen Dr. Robotnik vermöbelt habe. Es folgten das Mega Drive, die Dreamcast und so ziemlich alle Spielekonsolen von Sony und Microsoft. Ein Ende meiner Spielleidenschaft ist noch lange nicht in Sicht. Und so ist es nur wenig verwunderlich, dass ich mich von dem Trailer der Gamer-Komödie „Noobz – Game Over“ sofort angesprochen fühlte …

Worum geht’s

Statt zu arbeiten, nimmt der Immobilienmakler Cody (Blake Freeman) lieber an Clan-Wettkämpfen teil. Vier Mal hat er deshalb bereits seinen Job verloren, nun ist zusätzlich auch noch seine Ehe am Ende. Codys bestem Freund Andy (Jason Mewes) kommt dies gerade recht, denn so hat Cody wenigstens Zeit für die Cyberbowl Video Game Championships. Gemeinsam mit ihren beiden Clanmitgliedern Fragget (Matt Shively) und Hollywood (Moises Arias) machen sich Cody und Andy auf den langen Weg nach Los Angeles. Dort wartet nicht nur ein knallharter Wettkampf auf die vier selbsternannten „Gears Of War 3“-Profis, sondern auch die süße Gamerin Rickie (Zelda Williams), in die Andy schon seit langer Zeit verliebt ist …

Meine Meinung

Nachdem ich den Film gestern voller Vorfreude geschaut habe, bin ich immer noch ein wenig fassungslos und frage mich, was sich die Macher bei „Noobz – Game Over“ gedacht haben. Okay, vermutlich „Lasst uns eine Mischung aus einem Roadmovie und einer Underdog-Sportkomödie mit Videospielern machen!“. Prinzipiell ein äußerst löblicher Gedanke, doch die Umsetzung lässt mehr als nur zu wünschen übrig.

„Noobz – Game Over“ scheitert bereits daran, dass keiner der Protagonisten als Identifikationsfigur in Frage kommt. Während Fragget und Hollywood nur als Vorlage für lahme Witze über Schwule und Kranke dienen, ist Cody ein überheblicher Kotzbrocken Unsympath, der selbst seine eigenen Freunde wie Dreck behandelt. Lediglich Andy kann ein paar Sympathiepunkte sammeln, doch werden diese von seinem so primitiven wie unpassenden Gehabe (Jason Mewes im Jay-und-Silent-Bob-Modus) schnell wieder zunichte gemacht. Bezogen auf den Filmtitel ergeben das dämliche Verhalten und vor allem Codys Lernunfähigkeit durchaus Sinn, doch wage ich zu bezweifeln, dass die Macher über einen so feinen Sinn für Ironie verfügen. Wahrscheinlicher ist, dass die Figuren mit ihren Eigenarten witzig sein sollen. Sind sie aber nicht.

Die Handlung des Films ist noch dürftiger als die der „Gears Of War“-Spiele und kann sich zudem für keine Richtung entscheiden. Mit viel gutem Willen erkennt man einen Fokus auf die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Andy und Rickie, doch wird diese durch die abschließenden Texttafeln, in denen der Film über die Zukunft der Beteiligten aufklärt, vollkommen unpassend aufgelöst. Generell wirkt der Film, als hätten die Macher keine schlüssige Haupthandlung im Sinn gehabt, sondern sich einzelne Szenen überlegt und diese dann krampfhaft in einen Film gepresst. Ein stimmiges Gesamtbild will zu keiner Zeit entstehen. Und wirklich witzig sind die einzelnen Szenen auch nicht. Als Tiefpunkte seien hier ein 7-jähriges Mädchen mit dem Wortschatz einer 27-Jährigen und eine extrem fette Stripperin in einem (ansonsten völlig normalen) Stripclub genannt. Wer über diese Szenen lacht, der lacht auch über Mario Barth.

Wer hofft, einen augenzwinkernden Blick auf die E-Sports-Szene oder wenigstens ein paar spektakuläre Spielszenen sehen zu dürfen, darf diese Hoffnung gleich wieder begraben. Statt der Gamer-Szene mit Ironie zu begegnen, werden lediglich die gängigen Klischees bedient. Und den Spielszenen fehlt jegliche Dramatik, so dass selbst im Finale nicht mal ansatzweise Spannung aufkommt. Wer sich schon mal ein echtes E-Sports-Turnier angeschaut hat, weiß, dass die lahme Inszenierung des Films nichts mit der durchaus packenden Realität solch eines Wettkampfes gemein hat.

Punkten kann der Film lediglich mit einer Handvoll gelungener Sprüche, dem einen oder anderen Nostalgieschub (Frogger – hach) und Casper van Diens (ihr wisst schon, der Typ aus „Starship Troopers“) selbstironischem Kurzauftritt, der durchaus für ein oder zwei Schmunzler gut ist. Aber das ist selbst für eine Indie-Komödie viel zu wenig …

Mein Fazit

Größtenteils unlustige Komödie mit unsympathischen Figuren, die dem unverbrauchten Thema E-Sports und der Gaming-Szene nicht mal ansatzweise gerecht wird.

Meine Wertung: 3/10

Dass ihr meine Review bis zum bitteren Ende gelesen habt, soll belohnt werden. In Kooperation mit EuroVideo verlose ich zwei DVDs des Films „Noobz – Game Over“. Wieso ihr nach meiner Kritik daran noch teilnehmen solltet? Na, damit ihr euch ein eigenes Urteil bilden und mich hier öffentlich als Noob beschimpfen könnt, sollte euch der Film trotz meiner negativen Worte gefallen!

Um an dem Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr nichts weiter tun, als mir in den Kommentaren euer persönliches Lieblingsspiel zu nennen. Ganz einfach, oder?

Die Gewinner ermittle ich dann wie immer über random.org. Das Gewinnspiel endet am Dienstag, den 30. April 2013. Viel Glück!

Nachtrag 01.05.

Die Gewinner stehen fest! Freuen dürfen sich Katja und Niels – herzlichen Glückwunsch!

Im Heimkino gesehen: The Guard – Ein Ire sieht schwarz

14 Jahre. So lange ist es her, dass ich Brendan Gleeson das erste Mal bewusst wahrgenommen habe. Damals waren es seine Streitgespräche mit Oliver Platt, die mir in der Horrorkomödie „Lake Placid“ unheimlich viel Freude bereiteten. Seitdem freue ich mich über jeden Film, in dem Gleeson mitwirkt. Zur echten Hollywoodkarriere hat es bislang zwar nicht gereicht, doch ist Gleeson ein äußerst beliebter Nebendarsteller. „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ ist der erste mir bekannte Film, in dem Brendan Gleeson die erste Geige spielen darf. Hoffentlich bleibt es nicht der letzte …

Worum geht’s

Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist Ire, Polizist und ein Sammelsurium schräger Charaktereigenschaften. Dies muss auch FBI-Agent Wendell Everett (Don Cheadle) erfahren, der wegen eines Drogengeschäfts ermittelt, das ausgerechnet in Boyles Dienstgebiet abgewickelt werden soll. Einer der vier gesuchten Drogendealer wurde von Boyle bereits tot aufgefunden, von den übrigen fehlt jedoch jegliche Spur. Während ihrer Ermittlungen stoßen Boyle und Everett auf psychopathische Killer, korrupte Polizisten und jede Menge Vorurteile …

Meine Meinung

Ich habe bislang nur sehr wenig über „The Guard“ gelesen, bin mir jedoch ziemlich sicher, dass der Film sein Publikum gespalten hat und auch weiterhin spalten wird. Die einen werden den Film aufgrund falscher Erwartungen zäh, langatmig und uninteressant finden, die anderen ihn aufgrund seiner skurrilen Charaktere und der zynischen Dialoge lieben. Ich zähle mich eindeutig zur zweiten Gruppe.

Was ihr nicht erwarten solltet, ist die irische Variante einer typischen Buddy-Komödie. Denn auch wenn die Dialoge zwischen dem scheinbar blauäugigen Dorfpolizisten Boyle und dem leicht überheblich wirkenden FBI-Agenten Everett zu den Highlights zählen, bleiben letztlich alle Figuren außer Boyle doch nur Randfiguren in dem ganz auf Brendan Gleeson zugeschnittenen Film. Und das ist auch gut so, denn Gleeson ist als eigensinniger und scheinbar einfach gestrickter Polizist einfach eine Wucht. Stets einen zynischen Kommentar auf den Lippen und dem Gesetz gegenüber eher moderat eingestellt, weiß man bis über das augenzwinkernde Finale hinaus nie so recht, was man von der Figur halten soll. Und genau das macht sie so sympathisch, interessant und einzigartig.

Erfreulich ist, dass auch die spielfreudigen Nebendarsteller trotz der Fokussierung auf Brendan Gleeson allesamt überzeugen und deren Figuren trotz kürzerer Auftritte keineswegs untergehen. Don Cheadle spielt den FBI-Agenten Everett mit genau der richtigen Mischung aus Arroganz und Anerkennung, während die von Liam Cunningham, David Wilmot und Mark Strong dargestellten Drogendealer dank herrlich absurder Dialoge über Philosophie, Moral und Logik für ein breites Grinsen im Gesicht sorgen. Selbst die kleinste Nebenfigur hat in „The Guard“ ihre Daseinsberechtigung, und sei es nur, um mit den Genrekonventionen zu spielen und sie letztlich ad absurdum zu führen.

Aufgrund der zahlreichen interessanten Figuren, der gelungenen Dialoge und des unkonventionellen Humors verzeihe ich es dem Film dann auch gerne, dass er sich auf eben diese Stärken konzentriert, die eigentliche Krimihandlung eher eine untergeordnete Rolle spielt und echte Spannung nur selten aufkommt.

Mein Fazit

Auch wenn der Trailer es vermuten lässt, ist „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ keine Buddy-Komödie, sondern eine auf Brendan Gleeson zugeschnittene One-Man-Show, die beim Zuschauer eine Vorliebe für tiefschwarzen Humor, skurrile Charaktere und absurde Situationen voraussetzt. Charmant, erfrischend und nicht zuletzt dank Brendan Gleeson ein echter Geheimtipp!

Meine Wertung: 8/10

Im Heimkino gesehen: Attack The Block

Heute gibt’s mal eine Review ganz ohne Einleitung. Warum? Weil mir partout nichts Kreatives oder gar Sinnvolles einfallen möchte. Soll ja mal vorkommen …

Worum geht’s

Krankenschwester Sam (Jodie Whittaker) wird auf dem Heimweg von dem Halbstarken Moses (John Boyega) und dessen Gang überfallen. Während des Überfalls stürzt ein Objekt in ein nebenstehendes Auto und ermöglicht Sam so die Flucht. Als die jugendlichen Gangster sich neugierig dem zerstörten Fahrzeug nähern, werden sie von einem Außerirdischen angegriffen. Gemeinsam können sie das affengroße Wesen töten und beschließen, den Kadaver mit nach Hause zu nehmen. Doch das getötete Exemplar war nur der Anfang. Urplötzlich landen dutzende Wesen in dem Viertel. Die nachkommenden Exemplare sind nicht nur deutlich größer und angriffslustiger, sie haben es außerdem gezielt auf Moses und seine Freunde abgesehen. Während ihrer Flucht treffen die Jugendlichen erneut auf Sam, die inzwischen Anzeige bei der Polizei erstattet hat und sich als neu hinzugezogene Nachbarin der Kids entpuppt. Gemeinsam versucht die ungleiche Gruppe, den außerirdischen Jägern zu entkommen …

Meine Meinung

Na bitte, es geht doch: Genau so und nicht anders müssen kleine Genrebeiträge abseits des Hollywood-Krawumm-Mainstreams sein! „Attack The Block“ legt sofort los, zieht sein Ding ohne auch nur die geringste Länge in knappen 88 Minuten durch und hinterlässt genau das Gefühl, das ich bei großen Produktionen nur all zu oft schmerzlich vermisse: Einen Film gesehen zu haben, an dem die Macher mit viel Herzblut beteiligt waren.

„Attack The Block“ hat viele Stärken und kaum Schwächen, weswegen ich zur Abwechslung mal mit eben diesen Schwächen beginne. Da wäre zum einen die Geschichte, die als Grundgerüst betrachtet alles andere als originell ist. Eine Gruppe Menschen auf der Flucht vor Außerirdischen – ja, das gab’s in dem einen oder anderen Film durchaus schon mal zu sehen. Und dann wären da noch die außerirdischen Wesen, denen man das knappe Budget durchaus anmerkt und die auf das Blockbuster-verwöhnte Publikum wohl eher gewöhnungsbedürftig wirken dürften.

Doch wen stört das, wenn das Werk als Ganzes so hervorragend funktioniert? Dass die Grundstory nicht besonders originell ist, relativiert sich schon alleine dadurch, dass es sich bei den Protagonisten um kleinkriminelle Kinder und Jugendliche handelt. So handeln diese oft gänzlich unerwartet und bringen gleichzeitig eine gewisse Tiefe in den Film, nämlich immer dann, wenn sozialkritische Töne angestimmt werden und auf das Leben in der betroffenen Gegend eingegangen wird. Hinzu kommt, dass Regisseur und Drehbuchautor Joe Cornish trotz des ständig anwesenden Humors ein außerordentlich feines Gespür für gute Action und spannende Situationen beweist und nicht davor zurückschreckt, eine gewisse Härte an den Tag zu legen und durchaus auch Sympathieträger über die Klinge springen zu lassen. So läuft der Film zwar einerseits in erwarteten Bahnen, überrascht gleichzeitig aber auch immer wieder mit Szenen und Situationen, die man so nicht erwartet hätte.

Dass man bei einem Budget von 13 Millionen Dollar gewisse Abstriche in der Umsetzung zu erwarten hat, sollte niemanden überraschen. Auf bekannte Namen wurde größtenteils verzichtet und stattdessen auf äußerst spielfreudige Frischlinge gesetzt, aus denen insbesondere Moses-Darsteller John Boyega positiv hervorsticht. Lediglich Nick Frost dürfte dem einen oder anderen Zuschauer z.B. aus „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ bekannt sein.

Auch bei den Actionszenen und Effekten lassen sich die Sparmaßnahmen nur schwer leugnen. Und doch wirken diese wie auch das Kreaturdesign niemals billig, sondern erfreulich bodenständig und verfolgen zudem einen eigenen Stil, der sich von dem CGI-Overkill aktueller Hollywood-Produktionen wohltuend abhebt. So ist zum Beispiel die Idee, die Außerirdischen meist in einem satten Schwarz verschwinden zu lassen und lediglich deren leuchtende Zähne zu zeigen, ebenso günstig wie effektiv. Wie heißt es so schön: Nichts erzeugt mehr Angst und Panik als das, was man nicht sieht.

Mein Fazit

Witzig, spannend und extrem kurzweilig: „Attack The Block“ ist nicht nur ein äußerst sympathischer Genrebeitrag, sondern auch der beste Beweis dafür, dass tolle Science-Fiction-Filme auch ohne großes Budget entstehen können.

Meine Wertung: 8/10

Weitere Meinungen aus der deutschen Filmblogosphäre:

Equilibriumblog.de

Im Heimkino gesehen: Ziemlich beste Freunde

Endlich habe auch ich ihn gesehen. DEN Pflichtfilm des Kinojahres 2012. DEN Gute-Laune-Film schlechthin. DEN Film, den man einfach mögen muss und nach dem man mit einem Lächeln im Gesicht durch die Welt wandert (bzw. rollt). Die Rede ist selbstverständlich von dem französischen Überraschungserfolg „Ziemlich beste Freunde“. Bevor ihr euch jetzt auf eine weitere Lobeshymne einstellt, schreibe ich lieber gleich, dass mich der Film leider alles andere als überzeugt hat. Wieso, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest …

Worum geht’s

Um dem Arbeitsamt gegenüber zu belegen, dass er auf Arbeitssuche ist, bewirbt sich der frisch aus dem Gefängnis entlassene Driss (Omar Sy) bei dem Millionär Philippe (François Cluzet) um einen Job als Pfleger. Philippe ist seit einem Paragliding-Unfall vom Hals abwärts gelähmt und daher stets auf fremde Hilfe angewiesen. Obwohl Driss keine Qualifikationen vorweisen kann, sich Philippe gegenüber äußerst respektlos verhält und klarstellt, dass es ihm lediglich um die Bescheinigung für das Arbeitsamt geht, bekommt er den Job. Philippe ist es leid, ständig bemitleidet zu werden und sieht in Driss einen Mann, der ihn wie einen Menschen und nicht wie einen Pflegefall behandelt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die die ungleichen Männer nachhaltig verändert …

Meine Meinung

Es hätte so schön werden können. Man nehme ein ernstes Thema wie Querschnittslähmung und zwei höchst unterschiedliche Menschen, die sich gegenseitig zurück ins Leben führen. Dazu ein wenig Humor, ein Prise Sozialkritik und zwei so sympathische wie begabte Hauptdarsteller – fertig ist die Erfolgsdramödie. Und oberflächlich betrachtet ist „Ziemlich beste Freunde“ tatsächlich eben dieser schöne Film mit seiner überall hoch gelobten lebensbejahenden Botschaft, den man von den Kindern bis hin zu den Großeltern jeder Generation bedenkenlos empfehlen kann. Wie gesagt, oberflächlich betrachtet.

Beginnt man jedoch über den Film nachzudenken, offenbaren sich zahlreiche Mängel. Es beginnt schon mit den stereotypen Figuren, wie sie einfacher gestrickt nicht sein könnten. Auf der einen Seite der reiche Intellektuelle, kultiviert, eloquent, mit einer Vorliebe für klassische Musik – und natürlich weißer Hautfarbe. Auf der anderen Seite der mittellose Kleinkriminelle, ungebildet, sexistisch, stets dicke Hip-Hop-Kopfhörer tragend – und natürlich dunkler Hautfarbe. Unnötig zu erwähnen, dass Driss‘ Eingliederung in die Gesellschaft mit zunehmender Bildung einher geht. In mehreren Reviews wurde dem Film gar unterschwelliger Rassismus unterstellt. Und auch wenn ich zugeben muss, dass Driss‘ Charakterisierung und spätere „Kultivierung“ durchaus einen faden Beigeschmack bei mir hinterlassen haben, würde ich so weit nicht gehen wollen. Allerdings werfe ich dem Film vor, dass er alle klischeebeladenen Mittel nutzt, um auch dem letzten Zuschauer klarzumachen, für welche soziale Schicht die beiden Männer jeweils stehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies auch geschickter und weit weniger offensichtlich hätte geschehen können.

Weiter geht’s mit dem Thema Querschnittslähmung und deren Auswirkungen auf die Betroffenen. Den Film diesbezüglich als oberflächlich zu bezeichnen, wäre noch geschmeichelt. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich besser nicht fragen sollte, ob die Geschichte samt ihrer Botschaft auch mit einem mittellosen Querschnittgelähmten funktionieren würde, blendet der Film sämtliche Unannehmlichkeiten aus, die den Zuschauer belasten könnten. Der sicherlich alles andere als einfache Arbeitsalltag des Pflegers Driss wird mit einem Dialog über Darmentleerung weggewitzelt und die Selbstmordgedanken des gelähmten Philippe in einem Satz nebenbei abgefrühstückt. Auf diese Art und Weise bleibt der Film in seiner Stimmung zwar durchweg positiv, leidet gleichzeitig jedoch unter seiner klinisch reinen Oberflächlichkeit und fehlender Glaubwürdigkeit.

Abschließend noch ein zwei Sätze zum Humor des Films. Witze über Behinderte sind im Kino eher selten und wirken dadurch in einem Film wie „Ziemlich beste Freunde“ frech und provokant. Zumindest auf Menschen, die sich sonst stets politisch korrekt verhalten und Zynismus nur vom Hörensagen kennen. Zugegeben, ein paar Schmunzler sind dabei, doch auf Dauer wiederholen sich die Witze auf Kosten Philippes Behinderung und Driss‘ mangelnder Kultiviertheit, so dass der anfänglich frisch wirkende Humor mich schon bald zu langweilen begann. Ein wenig mehr Abwechslung beim Humor hätte dem Film wahrlich nicht geschadet.

Mein Fazit

Toll gespielter Gute-Laune-Film mit sympathischer Botschaft, der jedoch erschreckend oberflächlich bleibt und kein einziges Klischee auslässt.

Meine Wertung: 5/10