Im Kino: Inception

2. August 2010 | Filme und Serien | 1 Kommentar

Bei hoch gelobten und angeblich schwer zu verstehenden Filmen wie “Inception” oder davor “Shutter Island” frage ich mich immer, was eigentlich zuerst da war: Die seichte Kinounterhaltung, oder der ĂŒberforderte Kinozuschauer. Werden die Filme immer anspruchsloser, weil den Zuschauern nicht mehr zuzutrauen ist oder werden die Zuschauer immer unaufmerksamer, weil sie jahrelang darauf konditioniert wurden, ihr Gehirn beim Kauf der Kinokarten gleich mit abzugeben? Wir werden es vermutlich nie erfahren. Fakt ist, dass wir inzwischen einen Punkt erreicht haben, an dem Filme wie “Inception” als intelligente Meisterwerke bezeichnet werden. Und das nur, weil man ihnen aufmerksam folgen muss, um das Geschehen auf der Leinwand nachvollziehen zu können 


Worum geht’s

Eigentlich möchte Cobb (Leonardo DiCaprio) nur noch zurĂŒck zu seinen Kindern. Doch Cobb ist ein polizeilich gesuchter Mann. Und ein Dieb. Ein Spezialist, der in die TrĂ€ume von Menschen eindringt, um ihnen dort deren Ideen und Geheimnisse zu stehlen. Um seine Akte gelöscht zu bekommen und wieder nach Hause zurĂŒckkehren zu können, nimmt Cobb einen Auftrag des einflussreichen GeschĂ€ftsmannes Saito (Ken Watanabe) an. Cobb soll in das Unterbewusstsein von Saitos Konkurrenten Robert Fischer (Cillian Murphy) eindringen. Dort soll er jedoch nichts stehlen, sondern etwas hinterlegen. Den Wunsch, das Unternehmen von Fischers im Sterben liegenden Vaters nach dessen Tod zu zerschlagen. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Cobb einen Plan, um den Gedanken in Fischers Kopf zu platzieren 


Meine Meinung

Ist “Inception” optisch gelungen? Auf jeden Fall. Können die Darsteller in “Inception” ĂŒberzeugen? Jederzeit. Ist “Inception” intelligenter als der ĂŒbliche Hollywood-Film? Mit Sicherheit. Ist “Inception” der Geniestreich, auf den die Filmwelt gewartet hat? Keineswegs. FĂŒr einen Geniestreich fĂ€llt “Inception” in seiner Laufzeit zu unausgewogen, in seinen Actionszenen zu eintönig, in seinen emotionalen Szenen zu kĂŒhl und als Gesamtkonstrukt letztlich auch nicht intelligent genug aus.

Die erste HĂ€lfte des Films nutzt Regisseur Christopher Nolan beinahe ausschließlich fĂŒr ErklĂ€rungen. ErklĂ€rungen, die nicht nur die Regeln des Films festlegen, sondern sicherlich auch dem Mainstream-Publikum geschuldet sind, um zu viel eigene Kopfarbeit von Anfang an auszuschließen. Weniger wĂ€re hier definitiv mehr gewesen, zumal die Spannung unter den ausufernden ErklĂ€rungen merklich leidet.

In der zweiten HĂ€lfte dominiert dann die Action. WĂ€hrend ein hervorragend gefilmter Kampf in Schwerelosigkeit durchaus Begeisterung weckt, wirken die ĂŒbrigen Actionszenen, die fast ausschließlich aus sich wiederholenden Schusswechseln mit bewaffneten Bodyguards bestehen, erschreckend uninspiriert.

Statt “nur” einen spannenden, wenn auch etwas vorhersehbaren Heist-Film im Science-Fiction-Gewand zu drehen, bringt Nolan zusĂ€tzlich die menschliche Psyche mit ins Spiel. Was sich beim Thema “TrĂ€ume und Unterbewusstsein” natĂŒrlich durchaus anbietet. Leider wirken gerade diese Szenen extrem oberflĂ€chlich und viel zu distanziert, so dass sich keine Bindung an und kein MitgefĂŒhl fĂŒr die Charaktere entwickelt.

Wer Angst hat, dem Film aufgrund seiner scheinbaren KomplexitĂ€t nicht folgen zu können, sollte seine Furcht ĂŒberwinden und dennoch beruhigt ins Kino gehen. Die unterschiedlichen Traumebenen sind deutlich voneinander abgegrenzt, so dass es kaum möglich ist, sich hier zu verirren. Alle weiteren Informationen zur Geschichte sollen an dieser Stelle ein Geheimnis bleiben, um den Kinospaß nicht zu trĂŒben oder gar zu verderben 


Mein Fazit

Inhaltlich interessante und optisch ansprechende Mischung aus Heist, Action, Science-Fiction und Drama mit mehreren kleinen bis mittelgroßen Schönheitsfehlern, die keineswegs so intelligent ist, wie vielerorts berichtet wird.

Meine Wertung: 7/10

P.S.: Wer eine etwas anspruchsvollere, aber ebenfalls kritische Meinung zu “Inception” lesen möchte (ich selbst verstehe mich eher als das Fast-Food-Restaurant unter den Filmblogs), dem empfehle ich die Review meines “Kollegen” Flo Lieb in dessen Blog Symparanekronemoi.

GefÀllt mir:

1 Kommentar

  1. Oha, danke fĂŒr den Link-Hattrick 🙂

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Was die anderen schreiben: Inception «the-gaffer.de – […] seine angebliche Intelligenz suggeriert er aber bloß”. Ein Ă€hnliches Fazit wird auch bei CineKie gezogen. AuffĂ€llig ist das hĂ€ufig…
  2. Im Kino gesehen – Inception… »Dreams feel real while we’re in them. It’s only when we wake up that we realize something was actually…
  3. Inception (2010) | Film-BlogosphĂ€re – […] CineKie myofb.de Review-Corner Tonight is gonna be a large one. Xanders Blog […]

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