Bei hoch gelobten und angeblich schwer zu verstehenden Filmen wie âInceptionâ oder davor âShutter Islandâ frage ich mich immer, was eigentlich zuerst da war: Die seichte Kinounterhaltung, oder der ĂŒberforderte Kinozuschauer. Werden die Filme immer anspruchsloser, weil den Zuschauern nicht mehr zuzutrauen ist oder werden die Zuschauer immer unaufmerksamer, weil sie jahrelang darauf konditioniert wurden, ihr Gehirn beim Kauf der Kinokarten gleich mit abzugeben? Wir werden es vermutlich nie erfahren. Fakt ist, dass wir inzwischen einen Punkt erreicht haben, an dem Filme wie âInceptionâ als intelligente Meisterwerke bezeichnet werden. Und das nur, weil man ihnen aufmerksam folgen muss, um das Geschehen auf der Leinwand nachvollziehen zu können âŠ
Worum gehtâs
Eigentlich möchte Cobb (Leonardo DiCaprio) nur noch zurĂŒck zu seinen Kindern. Doch Cobb ist ein polizeilich gesuchter Mann. Und ein Dieb. Ein Spezialist, der in die TrĂ€ume von Menschen eindringt, um ihnen dort deren Ideen und Geheimnisse zu stehlen. Um seine Akte gelöscht zu bekommen und wieder nach Hause zurĂŒckkehren zu können, nimmt Cobb einen Auftrag des einflussreichen GeschĂ€ftsmannes Saito (Ken Watanabe) an. Cobb soll in das Unterbewusstsein von Saitos Konkurrenten Robert Fischer (Cillian Murphy) eindringen. Dort soll er jedoch nichts stehlen, sondern etwas hinterlegen. Den Wunsch, das Unternehmen von Fischers im Sterben liegenden Vaters nach dessen Tod zu zerschlagen. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Cobb einen Plan, um den Gedanken in Fischers Kopf zu platzieren âŠ
Meine Meinung
Ist âInceptionâ optisch gelungen? Auf jeden Fall. Können die Darsteller in âInceptionâ ĂŒberzeugen? Jederzeit. Ist âInceptionâ intelligenter als der ĂŒbliche Hollywood-Film? Mit Sicherheit. Ist âInceptionâ der Geniestreich, auf den die Filmwelt gewartet hat? Keineswegs. FĂŒr einen Geniestreich fĂ€llt âInceptionâ in seiner Laufzeit zu unausgewogen, in seinen Actionszenen zu eintönig, in seinen emotionalen Szenen zu kĂŒhl und als Gesamtkonstrukt letztlich auch nicht intelligent genug aus.
Die erste HĂ€lfte des Films nutzt Regisseur Christopher Nolan beinahe ausschlieĂlich fĂŒr ErklĂ€rungen. ErklĂ€rungen, die nicht nur die Regeln des Films festlegen, sondern sicherlich auch dem Mainstream-Publikum geschuldet sind, um zu viel eigene Kopfarbeit von Anfang an auszuschlieĂen. Weniger wĂ€re hier definitiv mehr gewesen, zumal die Spannung unter den ausufernden ErklĂ€rungen merklich leidet.
In der zweiten HĂ€lfte dominiert dann die Action. WĂ€hrend ein hervorragend gefilmter Kampf in Schwerelosigkeit durchaus Begeisterung weckt, wirken die ĂŒbrigen Actionszenen, die fast ausschlieĂlich aus sich wiederholenden Schusswechseln mit bewaffneten Bodyguards bestehen, erschreckend uninspiriert.
Statt ânurâ einen spannenden, wenn auch etwas vorhersehbaren Heist-Film im Science-Fiction-Gewand zu drehen, bringt Nolan zusĂ€tzlich die menschliche Psyche mit ins Spiel. Was sich beim Thema âTrĂ€ume und Unterbewusstseinâ natĂŒrlich durchaus anbietet. Leider wirken gerade diese Szenen extrem oberflĂ€chlich und viel zu distanziert, so dass sich keine Bindung an und kein MitgefĂŒhl fĂŒr die Charaktere entwickelt.
Wer Angst hat, dem Film aufgrund seiner scheinbaren KomplexitĂ€t nicht folgen zu können, sollte seine Furcht ĂŒberwinden und dennoch beruhigt ins Kino gehen. Die unterschiedlichen Traumebenen sind deutlich voneinander abgegrenzt, so dass es kaum möglich ist, sich hier zu verirren. Alle weiteren Informationen zur Geschichte sollen an dieser Stelle ein Geheimnis bleiben, um den KinospaĂ nicht zu trĂŒben oder gar zu verderben âŠ
Mein Fazit
Inhaltlich interessante und optisch ansprechende Mischung aus Heist, Action, Science-Fiction und Drama mit mehreren kleinen bis mittelgroĂen Schönheitsfehlern, die keineswegs so intelligent ist, wie vielerorts berichtet wird.
Meine Wertung: 7/10
P.S.: Wer eine etwas anspruchsvollere, aber ebenfalls kritische Meinung zu âInceptionâ lesen möchte (ich selbst verstehe mich eher als das Fast-Food-Restaurant unter den Filmblogs), dem empfehle ich die Review meines âKollegenâ Flo Lieb in dessen Blog Symparanekronemoi.
Oha, danke fĂŒr den Link-Hattrick đ