Angeschaut: „Kingsman: The Golden Circle“ (2017)

Als Prime-Mitglied lassen sich bei Amazon derzeit über 600 Filme für jeweils 99 Cent ausleihen. Eine gute Chance für mich, endlich „Kingsman: The Golden Circle“ zu schauen, dessen grandiosen Vorgänger ich im Kino ziemlich gefeiert habe und inzwischen in- und auswendig kenne …

Worum geht’s

Ein Jahr ist vergangen, seit Eggsy (Taron Egerton), Roxy (Sophie Cookson) und Merlin (Mark Strong) die Welt gerettet haben. Eggsy ist gerade dabei, die Eltern seiner Freundin Prinzessin Tilde (Hanna Alström) zu beeindrucken, als Drogenbaronin Poppy Adams (Julianne Moore) mit Hilfe des ehemaligen Kingsman-Anwärters Charlie (Edward Holcroft) einen Anschlag auf die verschiedenen Kingsman-Standorte ausführt, den nur Eggsy und Merlin überleben. Das für solch einen Fall vorgesehene Doomsday-Protokoll führt die letzten beiden Kingsmen zu der amerikanischen Geheimorganisation Statesman. Gemeinsam mit ihren amerikanischen Kollegen Champagne (Jeff Bridges), Whiskey (Pedro Pascal), Tequila (Channing Tatum) und Ginger (Halle Berry) versuchen die Kingsmen, Poppys weitere Pläne zu vereiteln …

Meine Meinung

„Kingsman: The Secret Service“ ist überdreht, schnell, laut, bunt und trieft vor schwarzem Humor. „Kingsman: The Golden Circle“ bleibt seinem Vorgänger treu und versucht, diesen in allen Punkten zu übertreffen, schießt dabei allerdings zuweilen über das Ziel hinaus. So ist die Action noch wahnwitziger, absolut nicht mehr ernstzunehmen und fasziniert dank unfassbar guter Kameraarbeit. Wie man als Zuschauer durch das Geschehen der teils extrem langen Sequenzen fliegt, ist schlicht grandios. Allerdings leidet darunter auch etwas die Übersichtlichkeit – dadurch, und durch die insgesamt deutlich gesteigerte Absurdität, fiel es mir im Vergleich zum Vorgänger tatsächlich schwerer, mit den Figuren mitzufiebern.

Der Humor fällt erneut selbstironisch und bitterböse aus, kratzt dabei aber auch schon mal an der Grenze zum guten Geschmack. Was in diesem Zusammenhang wörtlich zu verstehen ist. Julianne Moore chargiert als Poppy hierbei, als hinge ihr Leben davon ab, erreicht dabei allerdings leider nicht Samuel L. Jacksons sympathisch-überdrehten Wahnsinn. Außerdem passen Poppys überraschend nachvollziehbare Beweggründe nicht so recht zum überdrehten Ton des Films und wirken beinahe zu real und bodenständig für diese Art von Film.

Das liest sich jetzt vielleicht ein wenig ernüchternd, doch auch wenn der Film schwächer ist als sein Vorgänger, so ist „Kingsman: The Golden Circle“ dennoch ein durch und durch unterhaltsamer Film voller absurder WTF-Momente. Allerdings fehlt ihm auch der sympathische Charme seines Vorgängers, der insgesamt zudem deutlich ausgeglichener wirkt.

Mein Fazit

Durchaus gelungene Fortsetzung mit sympathischen Darstellern und fantastisch inszenierten Actionszenen, die allerdings zuweilen schon übertrieben absurd wirkt. Manchmal wäre etwas weniger dann doch mehr gewesen.

Meine Wertung: 7/10

Kurz abgehakt: „Two Night Stand“ (2014)

Um über ihre gescheiterte Beziehung hinwegzukommen, meldet sich die frustrierte Megan (Analeigh Tipton) bei einem Internet-Singleportal an und lässt sich auf einen One-Night-Stand mit Alec (Miles Teller) in dessen Wohnung ein. Am Morgen danach möchte Megan direkt verschwinden, doch ein über Nacht aufgezogener Schneesturm macht es ihr unmöglich, das Gebäude zu verlassen. Während Megan und Alec auf das Ende des Unwetters warten, kommen sich die beiden näher, als ursprünglich geplant …

Ich möchte euch nichts vormachen: Wie der Film endet, steht von Anfang an fest. Doch wie so oft bei solchen Filmen, ist der Weg das Ziel. Und dieser ist durchweg sehenswert, was insbesondere an der schlicht bezaubernden Analeigh Tipton liegt, die den Film mit ihrem Charme mehr oder weniger komplett an sich reißt. Wie sich Megan und Alec, die sich am Morgen danach nicht mal richtig ausstehen können, durch ihre Gespräche langsam einander annähern, ist sympathisch und mit viel Gespür für die Figuren inszeniert. Und wenn dabei ganz beiläufig auch noch die Werte und Erwartungen einer ganzen Gesellschaft infrage gestellt werden, entpuppt sich der Film sogar als überraschend tiefgründig.

Ja, das alles hat man irgendwo schon mal gesehen. Und ja, „Two Night Stand“ wird keine Filmgeschichte schreiben. Aber das muss der Film auch gar nicht. Er unterhält und regt, sofern gewünscht, zum Nachdenken an. Das reicht für eine Empfehlung meinerseits.

Meine Wertung: 7/10

Angeschaut: „The Foreigner“ (2017)

Puh, der Februar lief definitiv nicht nach Plan. So gut wie keine Filme geschaut, so gut wie keine Beiträge geschrieben – das hatte ich mir definitiv anders vorgestellt. Aber gut, ich möchte nicht jammern, denn zum einen habe ich nächste Woche (Oscar-)Urlaub, und zum anderen haben mir die wenigen Filme, die ich geschaut habe, dafür ausgesprochen gut gefallen. Einer meiner Februar-Filme war Martin Campbells Actionthriller „The Foreigner“, der mir meinen Glauben an Jackie Chan zurückgegeben hat, und um den es jetzt hier gehen soll …

Worum geht’s

Eigentlich möchte Restaurantbesitzer Quan (Jackie Chan) seiner Tochter Fan (Katie Leung) nur ein Kleid für den Abschlussball kaufen, als plötzlich eine Bombe explodiert. Fan stirbt, Quan überlebt schwer verletzt. Zu dem Anschlag bekennt sich eine bislang unbekannte Splittergruppe der seit Jahren inaktiven Terrororganisation UDI. Da ihm die Ermittlungen der Polizei zu lange dauern, wendet sich Quan an den Politiker Liam Hennessy (Pierce Brosnan). Hennessy, der früher selbst in UDI aktiv war, soll ihm die Namen der Terroristen verraten. Als Hennessy Quan abwimmelt, ahnt er noch nicht, wie weit dieser zu gehen bereit ist, um an die gewünschten Informationen zu gelangen …

Meine Meinung

Als ich den Trailer zu „The Foreigner“ sah, war mein erster Gedanke: vielversprechend! Und, oh Freude, ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, ich wurde sogar positiv überrascht!

Was im Trailer nach einem eher typischen Actionthriller aussieht, ist nämlich in Wirklichkeit ein eher ruhiger, sehr spannender und überraschend vielschichtiger Politthriller, bei dem die Action nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zwar darf Jackie Chan auch in „The Foreigner“ austeilen, doch sind die Actionszenen eher rar gesät, dafür aber umso knackiger und erfreulich bodenständig inszeniert.

Statt sich auf die Action zu konzentrieren, legt Regisseur Martin Campbell („GoldenEye“, „Casino Royale“) viel Wert auf die Geschichte sowie die Figuren und deren Motivation. Und zeichnet dabei ein äußerst düsteres Bild. So ziemlich jede Figur hat ihre dunklen Geheimnisse und in irgendeiner Form Dreck am Stecken – selbst Jackie Chans Quan agiert egoistisch und zuweilen alles andere als sympathisch. Verschwörungen, Intrigen, Lügen und Verrat sorgen dafür, dass auch ohne Action keine Langeweile aufkommt und weckten in mir Erinnerungen an die guten alten Thriller der 90er-Jahre. Lang, lang ist’s her.

Die positivste Überraschung des Films aber ist Jackie Chan, vor dessen Leistung ich den Hut ziehe. Nicht nur, dass er mit Mitte 60 immer noch fitter ist als wohl die meisten Menschen mit Mitte 30, auch weiß er darstellerisch zu überzeugen und macht als gebrochener, verzweifelter Mann eine ausgezeichnete Figur. Zugegeben, den inhaltlich interessanteren Part hat der wie immer souverän auftretende Pierce Brosnan. Doch auch wenn dessen zwiespältige Figur für einige Überraschungen sorgt und mich hin und hergerissen zurück ließ, so hat mich Chans ungewohnt ernste Darstellung dennoch stärker beeindruckt.

Mein Fazit

Düsterer Politthriller mit zahlreichen Intrigen, cleveren Wendungen und kurzen, aber knackigen Actionszenen. Pierce Brosnan spielt gewohnt souverän, während Jackie Chan seine beste Leistung seit Jahren zeigt. Top!

Meine Wertung: 8/10

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