Im Kino gesehen: Fast & Furious 7

7. April 2015 | Filme und Serien | 3 Kommentare

Was hatte ich mich auf „Fast & Furious 7“ gefreut. Endlich sollte der meiner Meinung nach stark unterschĂ€tzte und zeitlich zwischen Teil 6 und 7 angesiedelte „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ in die Reihe integriert werden. Und dann war da noch der dĂŒster dreinblickende Jason Statham, der im gelungenen Cliffhanger des sechsten Films als neuer Gegner eingefĂŒhrt wurde. Was könnte da schon schiefgehen? Leider eine ganze Menge … Worum geht’s Den Terroristen Owen Shaw (Luke Evans) konnten Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Freunde aufhalten, haben damit aber den Zorn von Owens Bruder Deckard Shaw (Jason Statham) auf sich gezogen. Der hervorragend ausgebildete Ex-Agent befördert Hobbs (Dwayne Johnson) ins Krankenhaus, tötet Han (Sung Kang) und sprengt das Haus der Torettos in die Luft. Um Deckard zu fassen, gehen Toretto und sein Team auf ein Angebot des mysteriösen Mr. Nobody (Kurt Russel) ein. Dieser benötigt einen Computerchip, um ein modernes Überwachungssystem, das Auge Gottes, in Betrieb nehmen zu können. Mit diesem Überwachungssystem wĂ€re es möglich, Deckard ausfindig zu machen und vom Gejagten zum JĂ€ger zu werden. Allerdings befindet sich der Hacker Ramsey, die einzige Person, die weiß, wo sich dieser Chip befindet, in den HĂ€nden der Terroristen Jakande (Djimon Hounsou) und Kiet (Tony Jaa) … Meine Meinung „Fast & Furious 7“ beginnt vielversprechend. Deckard Shaw besucht in einer friedlichen Szene seinen im Koma liegenden Bruder im Krankenhaus. Erst beim Verlassen des GebĂ€udes erfĂ€hrt das Publikum, dass Deckard das halbe Krankenhaus in Schutt und Asche gelegt hat, um seinen Bruder besuchen zu können – und es offenbar nichts und niemanden gibt, was ihn daran hindern kann, sein Ziel zu erreichen. Genau so fĂŒhrt man einen ernstzunehmenden Gegner ein! Leider ist von der durch Deckard Shaw ausgehenden Bedrohung im spĂ€teren Film nicht mehr viel zu spĂŒren, so dass nicht nur dieser gelungene Einstieg, sondern auch Jason Statham komplett verschenkt wirkt. Dasselbe gilt fĂŒr Djimon Hounsou, Tony Jaa und insbesondere Ronda Rousey, die zwar allesamt böse gucken dĂŒrfen, letztlich aber nicht viel mehr als grĂ¶ĂŸere Gastauftritte absolvieren und dem Team nur selten ernsthaft gefĂ€hrlich werden. Deutlich interessanter als die Gegner sind die scheinbar unmöglichen Missionen, die das Team erfĂŒllen muss, um Deckard Shaw aufhalten zu können. Mal muss ein Hacker aus einem bewachten Konvoi befreit, mal ein Chip aus dem obersten Stock eines Hochhauses in Abu Dhabi gestohlen werden – wie es der Zufall will, wĂ€hrend einer Party der Reichen und Schönen. Es hĂ€tte mich nicht gewundert, wĂ€ren Toretto und sein Team dort auf Ethan Hunt gestoßen, an dessen Abenteuer der Film in seinen besten Momenten erinnert. Leider steht diesen durchaus unterhaltsamen Episoden der Verzicht auf jeglichen Realismus im Weg. Was sich bereits im letzten Teil andeutete, wird im siebten Film der Reihe nun auf die Spitze und darĂŒber hinaus getrieben. Dass Autos mit Fallschirmen aus einem Flugzeug geworfen werden und wie durch ein Wunder auf der Straße landen – geschenkt. Immerhin darf diese Szene in all ihrer AbsurditĂ€t fĂŒr einen durchaus gelungenen Witz herhalten. Doch dass ein Sportwagen zwischen den Etihad-TĂŒrmen umherspringt, Beifahrer wĂ€hrend der Fahrt im Drift die Autos durch die Seitenscheiben wechseln und Sprengstoff im Sprung an anderen Fahrzeugen angebracht wird (ihr erinnert euch an die Ă€hnlich alberne Szene in „Transporter – The Mission“?), ist so dermaßen dĂ€mlich, dass es keinen Spaß mehr bereitet. Hinzu gesellt sich eine im letzten Drittel ausufernde und an die „Transformers“-Reihe erinnernde Materialschlacht, die umso stĂ€rker ermĂŒdet, je lĂ€nger sie dauert. Wenn hier alles in Schutt und Asche gelegt wird, ist das weder originell noch packend. Nicht zuletzt, da die Schnitte in den Actionszenen zuweilen recht hektisch ausfallen, so dass die Übersichtlichkeit nicht immer gegeben ist, was sich insbesondere in den an sich gut choreographierten Mann-gegen-Mann bzw. Frau-gegen-Frau-KĂ€mpfen störend auswirkt. Die Themen Freundschaft und Familie sind selbstverstĂ€ndlich auch in „Fast & Furious 7“ wieder die Eckpfeiler der Geschichte, wirken stellenweise jedoch unausgereift und aufgesetzt. Dass Mia zum Beispiel ihren Brian einmal mehr in den möglichen Tod schickt, wirkt mit Blick auf die UmstĂ€nde alles andere als glaubhaft. Und der durchaus sentimentale Abschied in der Endsequenz ergibt mit Blick auf Paul Walkers tragischen Tod durchaus Sinn, will aber nicht so recht in den Kontext des Films passen. Hier merkt man als Zuschauer schon recht deutlich, dass das Team sich nicht von der Figur Brian O’Conner, sondern von seinem Freund und Kollegen Paul Walker verabschiedet. Unpassend? Vielleicht. Aber auch gnadenlos ehrlich. Und ein Beweis dafĂŒr, dass das Filmteam das Herz am rechten Fleck trĂ€gt. Mein Fazit Hoffnungslos ĂŒbertriebenes Spektakel, das nach einem gelungenen Einstieg mit Vollgas ins Absurde rast und am Ende in seiner eigenen Action untergeht. Meine Wertung: 6/10

GefÀllt mir:

3 Kommentare

  1. Sehen wir sehr Ă€hnlich. Das Hochhaus-Geschanze fand ich noch herrlich deppert, das finale Ă  la Battle: Los Angeles dann etwas zu viel des Guten. Wertung gehen wir d’accord.

    Reply
    • Laut einem Physiker ist der Abu Dhabi Stunt sogar noch der GlaubwĂŒrdigste im Film 😀

    • Dass ausgerechnet diese Szene die glaubwĂŒrdigste sein soll, macht’s irgendwie nicht besser. Ganz und gar nicht besser. 😀

Trackbacks/Pingbacks

  1. “Fast & Furious 7″ mit realistischen Stunts? So hĂ€tte der Film ausgesehen! â€ș CineKie.de – […] ihr meine Review zu “Fast & Furious 7″ gelesen habt, wisst ihr, dass mir die völlig ĂŒbertriebenen Actionszenen im…

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