Der Film und der Film zum Film: „Psycho“ und „Hitchcock“

6. Februar 2013 | Filmtagebuch | 5 Kommentare

Normalerweise veröffentliche ich Artikel über Filme, die ich bereits kenne, in meinen Kurzbeiträgen. Doch bei „Psycho“ möchte ich eine Ausnahme machen. Denn dieser Film ist völlig zu recht ein Klassiker der Filmgeschichte, funktioniert auch heute noch nahezu perfekt und hat sich einen ausgewachsenen Beitrag voll und ganz verdient. Hinzu kommt, dass am 14. März die Filmbiografie „Hitchcock“ in unseren Kinos startet, die die Entstehung eben dieses Klassikers thematisiert. Doch dazu unten mehr …

Worum geht’s

40.000 Dollar. Ein Moment der Schwäche. Diese Kombination lässt die bislang vorbildliche Angestellte Marion Crane (Janet Leigh) zu einer Diebin werden. Mit dem unterschlagenen Geld in ihrer Handtasche macht Marion sich auf den Weg zu ihrem Geliebten Sam (John Gavin). Als sie im Dunkeln in einen starken Regen gerät, hält Marion an dem abgelegenen Motel des jungen Norman Bates (Anthony Perkins). Ein fataler Fehler, denn Norman, der stark unter seiner dominanten Mutter leidet, verbirgt ein tödliches Geheimnis …

Meine Meinung – Vorsicht: Spoiler enthalten!

„Psycho“ wird häufig als die Mutter aller Slasher-Filme bezeichnet. Und das vollkommen zu recht. Denn auch wenn in dem Film lediglich zwei Morde stattfinden, ist das Grundprinzip mit dem psychopathischen Killer als Hauptfigur wegweisend für ein gesamtes Genre gewesen. Indem die vermeintliche Hauptfigur bereits nach der Hälfte der Laufzeit stirbt, geht „Psycho“ dabei sogar einen konsequenten Schritt weiter als viele der von ihm inspirierten Filme danach. Der Mord in der Dusche ist legendär und für Menschen, die den Film noch nicht kennen, auch heute noch eine echte Überraschung. Glaubt man bis dahin noch, es mit einem konventionellen Krimi zu tun haben, schlägt „Psycho“ ab diesem Moment eine vollkommen andere Richtung ein und beschert dem Publikum damit den ersten Plottwist des Films.

Was inzwischen leider nicht (mehr) überrascht, ist der zweite Plottwist. Und damit meine ich die Identität des Mörders. Dass sich diese recht schnell erraten lässt, ist jedoch ausschließlich den zahlreichen Nachahmern und unserer heutigen Thriller-Erfahrung geschuldet. Für damalige Verhältnisse ist die Auflösung schlicht genial und ein wahrer Schock – und selbst aus heutiger Sicht gelingt es Alfred Hitchcock hervorragend, genügend falsche Fährten zu legen, um im Zuschauer trotz Vorahnung leise Zweifel zu wecken und dadurch die Spannung aufrecht zu erhalten.

Ein weiteres Lob gebührt den beiden Hauptdarstellern. Anthony Perkins hat mit der Figur des innerlich zerrissenen Norman Bates die Rolle seines Lebens gefunden, in die er im Laufe der Jahre noch drei Mal schlüpfen durfte. Und Janet Leigh schafft es, ihre Figur, die sich in einer verführerischen Situation falsch entschieden hat, mit all ihren Zweifeln so sympathisch zu spielen, dass ihr grausames Schicksal umso schockierender wirkt.

Die einzige Kritik, die sich „Psycho“ gefallen lassen muss, ist der meiner Meinung nach zu ruhige Einstieg in die Geschichte. Zwar wirkt der Film niemals zäh, doch hätte die erste halbe Stunde, in der Marion ihre Spuren verwischt und vor der Polizei flieht, ruhig ein wenig straffer ausfallen können.

Mein Fazit

„Psycho“ ist auch heute noch ein packender Psychothriller und sollte jedem, der sich auch nur ansatzweise für Filme interessiert, bekannt sein. Alfred Hitchcock ist mit diesem Film nichts anderes als ein größtenteils zeitloses Meisterwerk gelungen!

Meine Wertung: 10/10

Der Film zum Film

Wie ich oben bereits schrieb, startet am 14. März „Hitchcock“ in den deutschen Kinos. Diese von Sacha Gervasi inszenierte und mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Toni Collette und Jessica Biel prominent besetzte Filmbiografie widmet sich der legendären Entstehung des Films „Psycho“ und ist der eigentlich Anlass, wieso ich mir diesen Klassiker mal wieder angeschaut habe. Das Thema, die Besetzung und nicht zuletzt der Trailer versprechen beste Kinounterhaltung – und nachdem ich mir „Psycho“ gerade wieder frisch in Erinnerung gerufen habe, freue ich mich gleich doppelt auf den Film!

5 Kommentare

  1. Schade, dass du spoilerst, wer in der Mitte des Films getötet wird. Ich hatte diesen Klassiker nich auf meiner To-See-Liste.

    Wer ihn trotzdem noch gucken will: „Psycho“ läuft am 15.02. um 2:55 Uhr in der ARD.

    Antworten
    • Du kannst es mir glauben: Ich habe es mir damit nicht leicht gemacht. Doch da dieser Mord selbst im „Hitchcock“-Trailer genannt wird und der Film inzwischen ja doch ein paar Jährchen alt ist …

      Wie dem auch sei: Ich habe nun eine Spoiler-Warnung angebracht. Tut mir leid, dir die Überraschung genommen zu haben … 🙁

    • Nur mal so zur Info: Ich habe mir heute die „Psycho“-Box mit allen vier Teilen gekauft und selbst dort steht drauf, was mit Marion Crane geschieht. Das Geheimnis ist wohl keines mehr …

  2. Ist auch kein wirkliches Drama. Dass Du es Dir so schwer damit gemacht hast, das in der Kritik zu erwähnen, rechne ich Dir natürlich hoch an. Und ehrlich gesagt: sauer bin ich auf keinen Fall, schließlich gehört „Psycho“ ja nun wirklich zu den absoluten Klassikern. Kann ja keiner ahnen, dass man damit einen Ahnungslosen wie mich noch spoilern kann. 😉

    Antworten
    • Puh, dann bin ich beruhigt! Nur für den Fall, dass ich anlässlich des siebten Teils mal was über „Star Wars“ schreiben möchte: Dass Darth Vader Lukes Vater ist, ist dir bekannt? 😉

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