Im Kino gesehen: Star Wars: Das Erwachen der Macht

17. Dezember 2015 | Filmtagebuch | 3 Kommentare

Es war einmal vor langer Zeit in einem weit, weit entfernten Kino, dass ich regelmäßig Mitternachts-Previews besuchte. Doch das Alter fordert seinen Tribut, und so habe ich in den letzten Jahren auf solch späte (bzw. frühe) Vorstellungen verzichtet und Filme lieber zu den regulären Zeiten geschaut. Für „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ habe ich gestern eine Ausnahme gemacht. Und siehe da: Es ist immer noch so wie früher! Verkleidete Fans, tolle Stimmung im Saal, mehrfacher Applaus – so macht Kino Spaß! Bleibt nur die Frage offen, ob der Film mit der Atmosphäre vor und in dem Saal mithalten konnte …

Worum geht’s

30 Jahre nach dem Tod des Imperators herrscht immer noch Krieg in der Galaxis. Die Überreste des Imperiums haben sich als Erste Ordnung neu formiert und führen einen gnadenlosen Kampf gegen den Widerstand. Auf Befehl von General Leia Organa (Carrie Fisher) schickt dieser seinen besten Piloten Poe Dameron (Oscar Isaac) auf die Suche nach verschollen geglaubten Informationen, die dem Widerstand den entscheidenden Vorteil bringen könnten …

Meine Meinung

„Star Wars“-Fans dürfen aufatmen: Der Krieg der Sterne ist zurück! Regisseur J.J. Abrams („Mission: Impossible III“, „Super 8“, „Star Trek“) hat es geschafft, den Charme und die Atmosphäre der ursprünglichen Trilogie (Episode IV-VI) in die heutige Zeit zu retten, so dass unmittelbar nach Filmbeginn ein Gefühl wohliger Vertrautheit entsteht. Setzte George Lucas bei der von Fans … sagen wir mal zwiespältig aufgenommenen Prequel-Trilogie noch auf künstlich aussehende CGI-Kreaturen in klinisch reinen CGI-Umgebungen, dominieren in Episode VII handgemachte Masken und Modelle. Die verschiedenen Rassen, die Raumschiffe, die Planeten, einfach alles wirkt greifbarer, schmutziger – schlicht und einfach: echter. Und trotzdem (oder auch gerade deswegen) phänomenal.

Nicht nur die Atmosphäre, auch die Figuren sorgen für eine angenehme Reise zurück in die Vergangenheit: Luke Skywalker, Han Solo, Leia Organa, Chewbacca, C-3PO, R2-D2 – sie alle sind wieder mit dabei. Mal in größeren, mal in kleineren Rollen. Und egal ob kurz oder lang, es tut einfach gut, Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher und all die anderen in ihren alten Rollen zu sehen. Auch wenn die künftigen Helden zweifellos Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley), Sturmtruppen-Deserteur Finn (John Boyega) und Kampfpilot Poe Dameron (Oscar Isaac) sein werden. Doch das ist auch gut so, denn zum einen ist die Zeit an unseren alten Helden nicht spurlos vorbeigegangen, und zum anderen sind die drei neuen Figuren so sympathisch, dass es eine Schande wäre, sich nicht auf diese zu konzentrieren. Lediglich die dunkle Seite lässt derzeit noch etwas zu wünschen übrig. Dem Obersten Anführer Snoke (Andy Serkis) fehlt die Bedrohlichkeit eines Imperators und auch der von Adam Driver dargestellte Kylo Ren, der in die übergroßen Fußstapfen Darth Vaders treten möchte, enttäuscht etwas. Zu blass kommt diese Figur (noch) daher, sorgt aber immerhin für eine der witzigsten Szenen des Films.

Überhaupt, der Humor. Ich hätte nicht gedacht, dass „Das Erwachen der Macht“ so witzig ist. Und ich meine damit nicht Jar-Jar-Binks-albern, sondern auf eine angenehme, zurückhaltende Art witzig. Dialoge und Situationskomik fügen sich perfekt in die Geschichte ein, so soll es sein. Hey, das reimt sich!

Leider ist die größte Stärke des Films gleichzeitig auch seine größte Schwäche. Denn eines ist „Das Erwachen der Macht“ definitiv nicht: einfallsreich. So wirkt die erzählte Geschichte letztlich „nur“ wie ein Best-of aus „Eine neue Hoffnung“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Neue Ansätze sind so gut wie nicht vorhanden. Sicherlich, das ließe sich auch als Hommage schönreden, aber ernsthaft: Ein paar frische Ideen hätte es dann doch gerne geben dürfen.

Und auch die Musik ist eine kleine Enttäuschung. Denn obwohl sich auch dieses Mal John Williams verantwortlich zeichnet, gibt es, abgesehen von den bekannten Melodien, kein Musikstück, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Da hatte selbst der ungeliebte „Die dunkle Bedrohung“ mit dem fantastischen „Duel of the Fates“ mehr zu bieten.

Ja, das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Doch auch wenn „Das Erwachen der Macht“ die Star-Wars-Atmosphäre nahezu perfekt einfängt, sympathische Figuren bietet, trotz seiner Laufzeit von immerhin 135 Minuten extrem kurzweilig und somit insgesamt genau der Hit ist, den ich mir erhofft habe, bleibt dennoch ein kleiner Beigeschmack zurück.

Mein Fazit

Die Macht ist stark in diesem Film. „Das Erwachen der Macht“ bringt die Magie und die Faszination von damals trotz innovationsloser Geschichte und etwas blasser Schurken zurück in die Kinos. Toll!

Meine Wertung: 8/10

P.S.: Beinahe hätte ich es vergessen: BB-8 wird dem Hype voll gerecht! Ich wollte es nur mal erwähnt haben …

3 Kommentare

  1. Sehe ihn doch noch etwas kritischer als du, was wohl u.a. auch daran liegen dürfte, dass der Humor für mich über weite Strecken nicht funktioniert hat. Generell beugte er sich in meinen Augen zu sehr modernen Blockbuster-Befindlichkeiten, und ist nicht mehr so „zeitlos“ wie die alten sechs Star Wars-Filme. Zumal sich eben dieses moderne mit der Nostalgie und den zahlreichen Hommagen und Zitaten spießte, mit denen man es IMHO generell übertrieben hat. Dieses verkrampfte Anbiedern an die OT riss mich regelmäßig aus der Illusion. Und das mit dem neuen Todesstern… einfallsloser gehts ja wohl kaum. Generell hat die Erste Ordnung für mich nicht wirklich funktioniert: vor allem Donmhall Gleeson (den ich sonst sehr schätze) fand ich in dieser Rolle eine absolute Fehlbesetzung. Allesamt waren sie auch viel zu jung (heißen die etwas Erste Ordnung, weils Erstklässler sind?). Und Kylo Rens Wutausbrüche waren eher witzig als bedrohlich (im Vergleich zum kalt-berechnenden Vader). Nicht falsch verstehen, war schon ganz unterhaltsam – aber von Magie, wie du es behauptest, war „Das Erwachen der Macht“ meines Erachtens leider weit entfernt :-(.

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  2. Inwiefern beugte sich der Film deiner Meinung nach denn modernen Blockbuster-Befindlichkeiten? Und findest du Episode I-III wirklich zeitlos? Schon alleine mit Blick auf die Optik käme mir dieser Begriff bei den Prequels nie in den Sinn (obwohl ich die Filme durchaus mag) …

    Was Donmhall Gleeson angeht, bin ich übrigens bei dir. Ich fand die dunkle Seite aber insgesamt eher schwach, was ich oben ja auch erwähnt habe. Da geht auf jeden Fall noch was!

    Und trotzdem hatte der Film so viele tolle Szenen, dass ich weiterhin von (Kino-)Magie spreche! Bätsch! 😉

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  3. Ja, ich finde, dass auch Episode I-III – abseits der CGI-Effekte, natürlich, da bin ich bei dir – eine zeitlose Qualität haben. Was Erzähltempo, Struktur etc. anbelangt. „Erwachen der Macht“ war für mich eher ein handelsüblicher, moderner Blockbuster als ein „Star Wars“-Film. Dies betrifft u.a. auch den Humor, der auf mich einen sehr zeitgenössischen Eindruck machte. Ich nenne es dieses typische Whedonesque, dass im neuen Jahrtausend aufkam (wenn die Figuren das genaue Gegenteil von etwas sagen, von dem wir denken sollen, dass sie es sagen werden; mein Lieblingsbeispiel ist immer Mal aus „Serenity“: „Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin… kommt und rettet mich!“ Leider kann ich die Pointe allzu oft voraussehen, weshalb sie bei mir dann nicht zündet). Die Gags aus den ersten sechs Filmen waren IMHO nicht so direkt den damals aktuellen Trends entsprechend; beispielhaft seien die amüsanten Dialoge zwischen Han und Leia aus ANH genannt, die sich eher an den Screwball-Comedies der 40er orientierten. Wobei mir der betreffende Humor aus TFA natürlich immer noch weitaus lieber war als der Furzwitz aus TPM, keine Frage ;-).

    Generell brachte GL in beide Trilogien viele zeitlose, mythologische Elemente ein. Die OT als klassische Heldenreise. Die PT als griechische Tragödie. TFA ist auch was den Inhalt bzw. die Handlung betrifft sehr in modernen Erzählstrukturen etc. verankert. Magie habe zudem ich persönlich eben leider keine gefühlt; und generell ließ mich der Film so wie viele modernde Blockbuster – und auch J.J. Abrams Star Trek-Reboots – leider emotional völlig kalt (was gerade auch für den großen dramatischen Höhepunkt gilt; den hatte man in meinen Augen leider völlig versemmelt). Kurzweilig und hübsch anzusehen war es aber, gar keine Frage :-), und ich würde ihn insgesamt auch durchaus über TPM einordnen. An alle anderen SW-Filme kam er IMHO aber nicht heran. Wobei ich zunehmend merke, mit dieser Ansicht in der Minderheit zu sein, und dir/euch die Begeisterung ja auch gar nicht nehmen will! Ich wünschte halt nur, ich könnte einstimmen…

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