Warner Bros. Pictures Germany eröffnet den Kampf gegen Kinoterroristen! Kollateralschäden: Unbekannt.

1. Juli 2008 | Allgemeines und Einzelnes | 8 Kommentare

Eigentlich wollte ich heute Abend lediglich einen entspannenden Abend im Kino verbringen. In weiblicher Begleitung. Da heute eine öffentliche Preview des Films „Get Smart“ (eine Agentenparodie mit Steve Carell, Anne Hathaway und Dwayne Johnson) im CinemaxX Kiel stattfinden sollte, war mein Plan, das Angenehme (der entspannende Kinoabend in weiblicher Begleitung) mit dem Nützlichen (über einen Film schreiben zu können, bevor dieser regulär anläuft) zu verbinden. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Direkt nach dem Kauf der Kinokarten wurde mir der folgende Hinweis ausgehändigt:

kinoterror

„Oha“ dachte ich in mich hinein, während ich mir gleichzeitig überlegte, ob ich mich auf eine Leibesvisitation einstellen sollte. Eine Nachfrage bei dem CinemaxX-Angestellten meines Vertrauens bestätigte meine Befürchtungen: Warner stellte tatsächlich eine Security-Mannschaft bereit, die das Publikum vor dem Kinosaal mit Metalldetektoren durchleuchtete und danach zur Sicherheit auch noch einmal abtastete.

Wer glaubt, dass meine Geschichte und Warners Paranoia damit endet, der irrt gewaltig: Nachdem alle Gäste den Saal betreten hatten durften und Platz genommen hatten, positionierten sich vier!!! der insgesamt sechs!!! Security-Mitarbeiter links und rechts neben den Sitzen und zückten ihre Nachtsichtgeräte. Ich wiederhole das gern noch einmal, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Sie zückten Nachtsichtgeräte. Woher ich weiß, dass es sich dabei um Nachtsichtgeräte handelte? Nun, ich war so mutig und habe eine der Damen einfach gefragt. Wobei ich schon ein wenig Angst hatte, im Dunkeln erschossen zu werden. Wie dem auch sei: Mit diesen Nachtsichtgeräten im Anschlag blieben sie in den Gängen stehen. Während der gesamten Vorstellung. Und so schauten wir den Film. Ca. 30 Gäste, umzingelt von vier Men und Women in black.

Kommen wir zuerst zum positiven Nebeneffekt: Im Kino herrschte absolute Stille. Kein Klingeln, kein Getuschel – man hätte eine Fliege scheißen hören können.

Und nun zum negativen Effekt: Ich fühlte mich wie ein Schwerverbrecher. Und nicht nur mir ging das so. Auch meiner Begleitung und dem restlichen Publikum gefiel diese Art des Kundenumgangs ganz und gar nicht. Und das ist noch äußerst höflich formuliert. Mit einem entspannenden Kinoabend hatte dieses Erlebnis nichts mehr zu tun. Eher mit einer Form von Freiheitsberaubung.

Dass ich bei einer Pressevorführung wie ein Krimineller behandelt werde, lasse ich mir ja noch Zähne knirschend gefallen. Immerhin muss ich dort auch keinen Eintritt bezahlen. Aber in diesem Fall? Ich bezahle Eintritt und bekomme dafür das Recht, mein Handy abzugeben, mich durchleuchten/-suchen zu lassen und während des Films per Nachtsichtgerät beobachtet zu werden? Geht’s noch? Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte!

Liebe Leute von Warner: So geht das nicht! Ich lasse mir ohne Murren und Knurren jegliche Werbespots zum Thema „Raubkopien“ gefallen, aber mit dieser Aktion habt ihr den Bogen eindeutig überspannt! Weit überspannt. Zu weit überspannt.

Und liebe Leute vom CinemaxX Kiel: Ein Hinweis darauf, dass man während der Vorstellung unter Beobachtung steht, wäre nicht nur kundenfreundlich gewesen, es wäre eine Sache des Anstands gewesen!

Was mir bleibt, ist eine weitere negative Erfahrung im Kino, die ausnahmsweise mal nicht durch das Publikum oder durch technisches Versagen verursacht wurde. Als Konsequenz werde ich mich ab sofort vor jeder Preview über die Bedingungen informieren und auf den Kinobesuch gegebenenfalls verzichten.

Wie war das doch gleich? „Kino. Dafür werden Filme gemacht.“ Früher wurden Filme noch für das Publikum gemacht. Diese Zeiten sind wohl endgültig vorbei …

8 Kommentare

  1. Nachtsichtgeräte, wie cool ist das denn? Demnächst setzt man noch den BND auf die Kinosäle an. Sowas kenn ich eigentlich bisher nur von Sony, Warner ist da, zumindest bei den PVs noch relativ gechillt.

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  2. Technische Geräte abgeben finde ich legitim, aber die Sache mit den Nachtsichtgeräten ist absolut überzogen. Das hätte mich auch aufgeregt.

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  3. Spätestens bei der Leibesvisitation wäre ich gegangen (um drei, vier Tage zu warten um dann den DVDRip mit dt. Ton trotzdem im Netz zu finden… 😉

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  4. Aber das geht doch gar nicht, Ben: Wie soll denn bei diesen Maßnahmen noch eine deutsche Tonspur ins Internet kommen? Unmöglich!!! 😉

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  5. Es war nicht nur in Kiel. Ich bin auch am 01.07 mit zwei Freundinnen zur Preview „get Smart“ gegangen, u.z. im Cinemaxx Dammtor in Hamburg. Als ich mich vor der Leibesvisitation verzögte, da ich vorher nicht darüber informiert wurde, sagte ein Sicherheitsmann ungeduldig zu mir:“wenn Sie nichts in der Tasche haben, brauchen Sie auch nichts zu befürchten“,“es ist Ihre Entscheidung, den Film anzuschauen oder nicht anzuschauen“. So war es für uns das Ende. Eine Leibesvisitation ohne vorherige Ankündigung ist schon frech genug, lasse ich doch nicht deswegen noch von dem Sicherheitsmann Druck auf mich ausüben. Bin ja kein Verbrecher.

    Ich sollte froh sein, dass ich nicht rein gegangen bin und damit die weitere Geschichte mit der Nachtsichtgeräte gespart habe. Trotzdem war es ärgerlich, da dieser Abend dadurch zerstört wurde.

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  6. Is schon alles nicht nett und der Ton sollte auf jeden Fall freundlich bleiben – aber muss man sich für das Theater nicht vor allem bei den Hirnis bedanken, die Filme bei solchen Previews und in PVs abfilmen und ins Netzt stellen? Denn die gibt es nach wie vor und der Schaden beläuft sich dann nicht nur aufn paar Euro…

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  7. @ Yuwen

    Ich liebe Sprüche wie „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“. Gerade WEIL ich nichts zu verbergen habe, verbitte ich mir solch eine Behandlung!

    @ Miss Marple

    Ich verstehe ja durchaus, dass die Verleiher ihre Rechte schützen wollen. Aber den Weg, den sie hierfür einschlagen, den kann ich nicht gutheißen. Zumal ich den Erfolg solcher Aktionen stark anzweifle: Demjenigen, der auf das „Erlebnis Kino“ keinen Wert legt, ist es doch egal, ob er den Film zwei Wochen früher oder später herunterladen kann. Dafür werden aber die Menschen genötigt, an denen die Verleiher etwas verdienen wollen.

    Es ist wie mit den Raubkopierer-Spots auf DVDs: Die ehrlichen Käufer müssen sie sich anschauen, während die Raubkopierer schon längst den Film sehen. Von Logik keine Spur.

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  8. Raubkopierer hin oder her. So ein Verhalten seitens der Filmgesellschaften ist einfach unglaublich. Wohin soll das noch führen? Und wer will sich so eine Behandlung freiwillig bieten lassen. Völlig überzogene Maßnahmen.

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  1. CineKie.de » Kino, Review » Im Kino gesehen: Get Smart - [...] wenn der gestrige Kinobesuch von Warners diskussionswürdigem Umgang mit den Kinokunden überschattet wurde, der Film weiß durchaus zu gefallen.…
  2. Observation im Kinosaal (Akt.) aus hausgeists blog - [...] Offensichtlich gab es das ganze auch hier in Kiel schon deutlich heftiger. Direkt mit Leibesvisitation, und sechs (!) Sicherheitsbedientsteten.…

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