Ich bin genervt!

9. Juni 2012 | Allgemeines und Einzelnes | 12 Kommentare

Ja, richtig gelesen: Ich bin genervt. Immer häufiger genervt. Sowohl im Kino als auch zu Hause. Vielleicht liegt’s an fehlender Toleranz gegenüber den mit mir in einem Kinosaal sitzenden Personen. Vielleicht liegt’s am fehlenden Verständnis für die Kinobetreiber und die Filmstudios. Vielleicht liegt’s einfach an meinem “fortgeschrittenen” Alter und daraus resultierender gestiegener Nörgelbereitschaft. Und vielleicht liegt’s auch einfach nur daran, dass ich Filme legal erwerbe und außerdem nicht nur schaue, um Zeit totzuschlagen, sondern weil ich sie wirklich sehen und genießen möchte. Ich weiß es nicht. Fakt ist: Ich bin genervt.

Es beginnt bereits beim Lesen der Filmankündigungen. Und nein, das läuft jetzt nicht auf eine generelle Ablehnung von Sequels, Prequels und Remakes hinaus (denen stehe ich grundsätzlich positiv gegenüber). Gerade erst durften die Sternenkrieger ihre Lichtschwerter in 3D schwingen und die Titanic in 3D noch einmal untergehen, da werden auch schon “Jurassic Park” und “Independence Day” in 3D angekündigt. Jetzt mal ehrlich: Geht irgendjemand wirklich ins Kino, um diese Filme in 3D zu sehen? Oder gehen wir nicht vielmehr deshalb ins Kino, um diese Filme überhaupt noch einmal (oder auch zum ersten Mal) auf der großen Leinwand sehen zu können? Ich habe wahrlich nichts gegen Wiederaufführungen von alten Filmen. Ganz im Gegenteil. Aber muss das in 3D sein? Zumal die Konvertierung von 2D- in 3D-Material nicht selten zu einem schlechteren Bild führt – wofür wir als Publikum dann sogar einen Aufpreis zahlen sollen (was wohl der wahre Grund für die unnötige 3D-Konvertierung sein dürfte).

Irgendwann folgt dann der Blick ins aktuelle Kinoprogramm. Was könnte ich diese Woche gucken? “Die Tribute von Panem” soll toll sein. Oder “The Avengers”. Doch was steht hinter den Titeln? Richtig: Der Hinweis “Inklusive Pause”. Als offizielle Begründung wird gerne angegeben, dass solch eine Pause aus Rücksicht auf das Publikum stattfindet. Liebe Kinobetreiber: Die Zuschauer, die ihre Blase nicht lange genug unter Kontrolle halten können (oder schlicht zu dumm waren, vor dem Film noch mal Wasser zu lassen), müssen dann halt während des Films auf die Toilette gehen. Wie bei jedem anderen Film auch – egal ob dieser nun eine Laufzeit von 90, 140 oder 190 Minuten hat. Resultat: Ich sitze im Kinosaal, bin voll im Film drin, freue mich über die gelungene Atmosphäre, habe Spaß – und werde unerbittlich für 15 Minuten rausgerissen, damit, das ist jetzt nur eine Vermutung meinerseits, der Kinobetreiber nicht nur vor, sondern auch während der Vorstellung ein paar Getränke verkaufen kann. Mit ganz viel Glück läuft der Film nach ein paar Wochen auch ohne Pause – selbstverständlich zu unmöglichen Zeiten und nur noch im kleinsten Saal. Da kommt Freude auf!

Doch selbst wenn der Film nicht in unnötigem 3D gezeigt oder durch eine noch unnötigere Pause verunstaltet wird, laufen meine Kinobesuche in letzter Zeit alles andere als zufriedenstellend oder gar entspannend ab. Zugegeben, für das Publikum kann der Kinobetreiber nichts. Deswegen meine Bitte:

Liebe Zuschauer, wenn ihr euch für den Film nicht wirklich interessiert und euch lieber unterhalten oder mit eurem Smartphone spielen möchtet, statt ruhig sitzend dem Geschehen auf der Leinwand zu folgen, dann verabredet euch das nächste Mal doch lieber zu einem Kneipenbesuch! Vielen Dank!

Wofür der Kinobetreiber jedoch etwas kann, ist mangelhafte Bildqualität. Nicht selten kommt es vor, dass das Bild schlicht unscharf ist. Und das, obwohl ein Angestellter zu Beginn des Films die Lautstärke regelt, dabei aber offensichtlich nicht auf die Bild(un)schärfe achtet. Also muss ich aufstehen, den Saal verlassen, einen Angestellten suchen und diesen bitten, die Schärfe zu korrigieren. Und verpasse dabei mindestens zwei Minuten des Films. Ist es denn wirklich so schwer, zu Beginn des Films zu prüfen, ob alles optimal eingestellt ist?

Okay, ich muss ja auch nicht ins Kino gehen. Wofür gibt es schließlich DVDs und BDs?! Und so bleibe ich in letzter Zeit immer öfter einfach zu Hause, suche mir gemütlich den Film aus, den ich (ohne 3D, ohne Zwangspause, ohne nerviges Publikum und in ordentlicher Bild- und Tonqualität) schauen möchte und lege die entsprechende Scheibe in meinen Blu-ray-Player. Was dann folgt, ist leider nur selten der gewünschte Film. Stattdessen gibt’s erst mal unzählige Belehrungen (Raubkopien sind böse, schaden der Filmindustrie und außerdem haben Raubkopierer kleine Pimmel), Warnungen (Raubkopierer werden mit fünf Mal lebenslänglicher Beschallung durch Stefan Mross bestraft), Hinweise (alles, was vor, während oder nach dem Film gesagt wird, entspricht aus rechtlichen Gründen nicht zwangsläufig auch unserer Meinung) und Update-Aufforderungen (falls unsere Scheibe nicht funktioniert, liegt’s bestimmt an deinem blöden Blu-ray-Player – frag doch mal den Hersteller nach einem Update). Diesen Einblendungen folgen dann oft nicht überspringbare Trailer und eine ebenfalls nicht überspringbare “Thank You”-Animation. Dankeschön? Wofür eigentlich? Dafür, dass ich Geld für diesen Film ausgegeben habe und mir Urlaub nehmen muss, um ihn zeitlich überhaupt schauen zu können?

Wie angenehm es laufen kann, zeigt ausgerechnet das Trash-Studio The Asylum: Dort startet der Film direkt nach dem Einlegen der Scheibe und das Menü kann bei Bedarf eingeblendet werden. Okay, dafür sind die Filme absoluter Müll. Aber irgendwas ist ja immer …

12 Kommentare

  1. Schön geschrieben. Ich kann als nicht Kinogänger auch den einen oder anderen Punkt verstehen. Ich war das letzte Mal im Kino … da lief…ähm….ist lange her….grübel…haaa: StarTrek-Der erste Kontakt.
    Ich gehe nicht mehr ins Kino, weil es immer und damit meine ich IMMER ein Idiot im Saal sitzt, der mir alles versaut. Und da ich da sehr empfindlich reagiere…andere würden es als kolerisch bezeichnen, spare ich mir meine wertvolle, entspannte Zeit 😉

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    • Meistens hilft es ja zum Glück, den nervenden Personen bestimmt (aber höflich) zu sagen, dass sie doch bitte ruhig sein sollen. Allerdings ist es traurig, dass man überhaupt um Ruhe bitten muss. So etwas sollte im Kino eigentlich selbstverständlich sein …

      P.S.: „Star Trek – Der erste Kontakt“ ist wirklich VERDAMMT lange her … 😉

  2. Ja, Pausen sind ein gar. Musste ich zum Glück nur 2x bisher erleben (King Kong, Avatar), weil ich Filme im Kino entweder durch eine Pressevorführung gesehen hab (da hält auch immer jeder brav seine Klappe) oder in meinem hiesigen OV-Kino. Dort gibts auch keine Pausen und die meisten verfolgen auch den Film. Problemlos verläuft auch immer alles in meinem Arthouse-Kino, aber da ist das Publikum halt schon vorher selektiert. Vermutlich kommt es eben auch immer über die Kombination an. Kinobetreiber (Multiplex? Arthouse? OV-Kino?) und Film (Blockbuster? Kunstfilm?) – und mein Filmgeschmack erlaubt mir da meist wenig nervende Kombinationen. Aber ich fühle mit dir 🙂

    P.S.: Die Blu-Ray/DVD-Vorschau nervt mich auch. Wenn der „Top Menu“-Button nichts bewirkt und ich auch die Kapitel nicht vorspringen kann, hau ich meist die Vorspultaste mit Warp-Geschwindigkeit rein – das verkürzt den Quark dann zumindest. Vielleicht als Tipp. Oder ich leg die Blu-Ray ein und geh mir dann nochmal was zu Trinken holen, bis ich wieder komme, läuft das Menü 😀

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    • Die Vorspultaste ist in solchen Fällen auch immer meine beste Freundin, dicht gefolgt vom kurzen Abstecher aufs Klo. 😉 Nervig ist es aber trotzdem, besonders, wenn man mehrere Filme hintereinander schaut und sich jedes Mal wieder durch die Startprozedur kämpfen muss …

  3. Oh ja, viele wahre Worte. Sind tatsächlich die typischen Aufreger für Filmfreunde. Seitdem unser OV-Kino geschlossen hat, zieht es mich auch kaum noch in die Lichtspielhäuser. Schade eigentlich.

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  4. Hey Sven.

    Vollste Zustimmung in allen Punkten! 😉

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  5. Ich kann vieles verstehen, würde mich aber nicht über alles aufregen. Kino ist auch Spaß und Gemeinschaftserlebnis. Eine Balance sollte da sein, aber so steril, wie du es gerne hättest, sollte es auch nicht sein.

    Das Argument mit den Wiederaufführungen aber ist schwerwiegend. Wie schön wäre es, einfach mal ein paar alte Faves auf der Leinwand wiederzuerleben. Ob man einfach Angst hat, daß die durchschnittliche Qualität des aktuellen Kinos dagegen zu minderwertig erscheint?

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    • Moooment! Ich möchte gar kein steriles Filmerlebnis! In einer Komödie darf und sollte gelacht und gegrölt, in einem Horrorfilm gewimmert und geschrien werden, etc. Was ich aber nicht möchte, sind Gespräche über die letzten Büroerlebnisse, das letzte Wochenende, mich blendende Smartphone-Display, etc. So etwas hat während des Films im Kino einfach nichts zu suchen! Siehst du das anders?

      Wie meinst du das mit der Qualität, die dagegen (wogegen?) minderwertig erscheint? Da kann ich dir gerade nicht so richtig folgen …

      P.S.: Herzlichen Glückwunsch! Du hast den 1.000sten Kommentar in meinem Blog geschrieben! 🙂

    • Ne, aber es hörte sich schon eher an, als ob du zu den Leuten gehörst, die Totenstille verlangen und mit verkniffenem Gesicht auf den Film starren. Spätestens wenn hinter mir jemand den Film anhand eines vorher gesaugten Rips kommentiert (wirklich passiert), drehe ich auch ab.

      Naja und das mit der Qualität ist doch so: Man nimmt die aktuellen Filme als Masse wahr, hingegen aber die hypothetischen Wiederaufführungen würden selektiert sein. Dies würde, abgesehen davon, daß ein grundsätzlicher Mehrwert der alten Filme streitbar wäre, die im Schnitt logischerweise schlechter erscheinenden neuen Filme automatisch in ein schlechteres Licht rücken. Vermarktungsstrategisch hat das doch durchaus Relevanz.

      Und was hab ich gewonnen? 😀

    • Nein nein, keine Angst. Absolute Stille und verkniffene Gesichter verlange ich nur in Arthouse-Filmen. 😉

      Okay, jetzt verstehe ich was du mit der Qualität meinst. Andererseits könnte man aber auch argumentieren, dass man mit Wiederaufführungen von Klassikern genau die Menschen wieder ins Kino gelockt bekommt, die aufgrund der mangelnden Qualität aktueller Filme sonst fernbleiben.

      P.S.: Meine ewige Anerkennung! 😉

  6. WORD! Handys gehören die Länge des Film lautlos in die Tasche, der Tratsch ins Foyer! Und Pause gehören in die Free-TV Ausstrahlungen auf RTL und Co., aber nicht ins Kino. Ganz schlimm wird es, wenn man einen OV-Film schaut und neben dir ein „Simultanübersetzer“ sitzt, der seiner Freundin wirklich den ganzen Film übersetzt, weil diese nach jedem Satz fragt: „Was hat der gesagt?“: Wenn ich kein Englisch kann, geh halt in die Synchro.

    Mittlerweile ist Kino für mich mit ganz wenigen Ausnahmen nur noch die zweite Wahl um einen Film zu sehen!

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  7. Hallo,

    ich sehe zwar, dass die letzten Einträge schon ein wenig älter sind. Aber ich muss meinen Frust irgendwie mal öffentlich machen. Und diese Seite scheint mir dafür geeigent.

    Kurz vorab: Ich bin riesiger Fan von Filmen. Nicht auf die „nerdige“ Art, aber ich schaue sehr gern Filme. Auch im Kino. Früher war ich nahezu jedes Wochenende im Kino.

    Aber seit gestern werde ich Kinobesuche verweigern. Es muss schon sehr, wenn nicht gar VERDAMMT GUTE GRÜNDE geben, dass ich da nochmal hingehe.

    Folgendes ist passiert:

    Ich bin James Bond Fan. Schon nach dem ersten Mal Sehen des Filmes „Ein Quantum Trost“ habe ich mich riesig auf dem 23. Teil (jetzt „Skyfall“) gefreut. Und nach langem Hin und Her kam er ja auch Gott sei Dank endlich heraus. Meine Freundin ist nun nicht gerade ein Fan von „Schießfilmen“, aber der Vorschlag, den Film am Eröffnungswochenende zu sehen kam von ihr.

    Gesagt, getan… Zwei Karten für den HansaFilm-Palast Rostock bestellt, oberste Reihe (Balkon)…. beste Lage.
    Vorstellungsbeginn 20:15 Uhr. Aber wie es nun mal so ist mit dem VORSTELLUNGSBEGINN…. es kam erstmal Werbung und Trailer. Und das ganze 45(!) Minuten lang. Danach kamen ja dann auch noch die Eisverkäufer…. und es gibt immer irgendwelche Affen, die extra ins Kino gehen, um Eis zu essen.

    Der eigentliche Film fing dann „pünktlich“ um 21:15 an. Ich saß also eine ganze Stunde für nichts und wieder nichts im immer stickigeren und wärmer werdenen Kinosaal herum.

    Ich hatte mit Filmbeginn schon jede Lust an Bond verloren.

    Und dann nach einer Stunde…. PAUSE! 30 Minuten PAUSE???? Hallo???

    Zum Ende der Pause sagte ich zu meiner Freundin „Komm, wir gehen“. Wir sind aufgestanden und gegangen. Kaum draußen, ging der Film weiter. Aber das war mir egal. Ich habe jedenfalls einen Entschluss gefasst:

    Ich habe einen 127cm FullHD-TV mit 3D-Technik zu Hause, dazu auch den passenden BD-Player. Dort läuft KEINE WERBUNG, dort kommt KEIN EISMANN, dort kann ich lüften und heizen wie ich lustig bin… und Pause wird nur dann gedrückt, wenn es wirklich, wirklich dringend ist. Und es gibt auch keinen, der mit seinem Handy spielt und die ganze Zeit Kommentare von sich gibt.

    SKYFALL wird natürlich gekauft und zu meiner Sammlung hinzugefügt. Alles andere kann vom Videoverleiher meines Vetrauens geliehen werden. Und was ich bis zu Pause gesehen habe, war ja auch wirklich gut.

    Aber Dank der modernen HomeCinema-Technik sehe ich absolut KEINEN GRUND mehr, nochmal ins Kino zu gehen und mich solch einen Stumpfsinn auszuliefern.

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