Between Worlds (2018)

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut, und schon nach wenigen Minuten denkt „Meine Güte, was zum Teufel schaue ich hier gerade eigentlich?“? So ging es mir eben mit „Between Worlds“, einem Film, von dem ich auch jetzt nach dem Ende des Abspanns nicht weiß, ob er ernst gemeint oder als Parodie gedacht war. Zumindest habe ich während des Films oft gelacht. Wirklich beabsichtigt dürfte das aber nicht gewesen sein.

Worum es geht? Um den heruntergekommenen Trucker Joe (Nicolas Cage), dessen Frau und Tochter bei einem Brand ums Leben gekommen sind. Um Julie (Franke Potente), die die Gabe besitzt, zwischen den Welten der Lebenden und der Toten zu wandeln. Und um Julies Tochter Billie (Penelope Mitchell), die nach einem schweren Unfall im Koma liegt, von Julie ins Leben zurückgeholt wird, sich danach aber irgendwie merkwürdig verhält.

Klingt gar nicht mal so uninteressant? Ist es auch nicht. Zumindest nicht auf dem Papier. Leider ist das finale Ergebnis eine ziemliche Katastrophe. In den ersten 10 Minuten bietet „Between Worlds“ dank unfassbar schlechter Dialoge durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, doch danach plätschert der zuweilen erschreckend dilettantisch inszenierte Mystery-Thriller bis zum vorhersehbaren Twist vor sich hin, nur um dann im letzten Drittel die schlechten Dialoge vom Anfang noch mal zu toppen. Mittendrin: Ein völlig freidrehender Nicolas Cage, dem offenbar klar war, dass hier nichts irgendeinen Sinn ergibt, und der speziell im Finale in einem völlig anderen Film zu sein scheint.

Wer unfreiwillig komische Filme mag und Fan von Nicolas Cage ist, darf durchaus mal einen Blick riskieren. Alle anderen machen besser einen weiten Bogen um dieses Machwerk.

Meine Wertung: 3/10

Kurz abgehakt: „Knives Out – Mord ist Familiensache“ (2019)

Am Abend seines 85. Geburtstags nimmt sich der erfolgreiche Krimi-Autor Harlan Thrombey (Christopher Plummer) überraschend das Leben. Während die Polizei den Familienmitgliedern letzte Fragen zum Abend stellt, stößt Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) auf Ungereimtheiten und beginnt zu ermitteln …

Ich liebe klassische Krimis, bei denen man als Zuschauer rätseln darf, wer der Täter ist. „Knives Out – Mord ist Familiensache“ ist solch ein Krimi – und noch viel mehr. Er ist Krimi, Thriller, Komödie und Gesellschaftssatire in einem. Dazu noch clever geschrieben, ohne jegliche Längen inszeniert, grandios besetzt (u. a. mit Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Toni Collette, Don Johnson, Ana de Armas und Chris Evans) und mit sichtlicher Freude gespielt.

Das muss auch schon reichen, um euch von einem Kinobesuch zu überzeugen, denn ganz ehrlich: Je weniger man im Vorfeld weiß, desto besser. Vertraut mir einfach, dass es sich lohnt!

Meine Wertung: 9/10

Und falls ihr euch nun fragt, wieso ich „nur“ 9 Punkte vergebe: Auch wenn ich oft schmunzeln musste, hätte ich mir den Humor in „Knives Out“ insgesamt dann doch etwas abgedrehter gewünscht. So bleibt „Eine Leiche zum Dessert“ weiterhin mein Favorit – auch wenn dieser in eine etwas andere Richtung geht.

Kurz abgehakt: „Angel Has Fallen“ (2019)

Während eines Angelausflugs kommt es zu einem Drohnenanschlag, den nur Präsident Trumbull (Morgan Freeman) und Mike Banning (Gerard Butler) überleben. Da belastende Beweise gegen ihn auftauchen, hält das FBI Banning für den Täter. Doch dieser kann fliehen und setzt nun alles daran, die wahren Hintermänner ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen …

Nach „Olympus Has Fallen“ (der mir mit jedem Anschauen besser gefällt) und „London Has Fallen“ ist dies nun bereits der dritte Einsatz des unkaputtbaren Secret-Service-Agenten Mike Banning, wobei er sich dieses Mal in einer actionreichen „Auf der Flucht“-Variante austoben darf. Wobei „unkaputtbar“ nicht so ganz stimmt, denn wie wir zu Beginn des Films erfahren, hat Banning durchaus mit den Auswirkungen seiner bisherigen Einsätze zu kämpfen. Leider spielt dies für den Rest des Films keine Rolle mehr, so dass Gerard Butler sich einmal mehr als Ein-Mann-Armee (mit ein wenig Unterstützung) durch den Film schnetzeln darf. Die Chose wird dabei routiniert, aber komplett überraschungsfrei abgespult. Dasselbe gilt für die Action, die insgesamt zwar solide ausfällt, zuweilen jedoch etwas hektisch geschnitten ist und bei den CGI-Effekten einmal mehr enttäuscht. Aber das kennt man ja bereits aus den Vorgängern. Außerdem vergeht etwas zu viel Zeit, bis der Film so richtig in Schwung kommt – was durch einen gelungenen Showdown aber durchaus wieder ausgeglichen wird. Einen vierten Teil brauche ich nun aber wirklich nicht mehr.

Meine Wertung: 6/10

Angeschaut: „10 Cloverfield Lane“ (2016)

Eine Kollegin im Urlaub, zwei Kolleginnen krank – und schon hieß es für 1 1/2 Wochen „Sven allein im Büro“. Der daraus resultierende Stress auf der Arbeit sorgte dafür, dass mir abends schlicht die Energie für Filme fehlte. Inzwischen sind die Kolleginnen von den Toten auferstanden, so dass nun bei mir so langsam wieder Ruhe einkehrt. Diese habe ich am Wochenende direkt genutzt, mir einen „freien“ Sonntag gegönnt und diesen mit den drei „Cloverfield“-Filmen verbracht. Wie mir der zweite Teil der (bislang nur lose zusammenhängenden) Reihe gefallen hat, erfahrt ihr … jetzt!

Worum geht’s

Nach einem schweren Autounfall wacht Michelle (Mary Elizabeth Winstead) im Bunker des mysteriösen Howard (John Goodman) auf. Dieser erklärt ihr, dass es einen Angriff gab, die Luft verseucht wurde und die Oberfläche voraussichtlich für Jahre nicht bewohnbar sei. Obwohl der ebenfalls im Bunker lebende Emmett (John Gallagher Jr.) Howards Geschichte bestätigt, bleibt Michelle skeptisch. Zumal Howard immer öfter zu aggressiven Ausbrüchen neigt …

Meine Meinung

Zwei Jahre lang habe ich es geschafft, alles zu meiden, was mit „10 Cloverfield Lane“ im Zusammenhang steht. Dementsprechend hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Und das war auch gut so, denn der Film lebt davon, dass man als Zuschauer nicht weiß, was als nächstes passiert und worauf die ganze Chose hinausläuft. Daher fällt es mir ehrlich gesagt auch schwer, nun über „10 Cloverfield Lane“ zu schreiben, denn ich möchte nichts verraten, was euren Spaß trüben könnte.

Vielleicht nur so viel: Die Atmosphäre ist herrlich bedrückend und der Film insgesamt von Anfang bis Ende spannend. Sauspannend. Außerdem sind die Darsteller grandios. Insbesondere der undurchsichtige John Goodman und die taffe Mary Elizabeth Winstead, die ich bereits in „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und „The Thing“ in mein Herz geschlossen hatte und die meinen positiven Eindruck mit „10 Cloverfield Lane“ definitiv bestätigt hat. Und das Finale hat mir gar so gut gefallen, dass ich tatsächlich laut juchzend auf der Couch saß. Alleine beim Gedanken daran bekomme ich schon wieder ein fettes Grinsen im Gesicht – und Lust, den Film gleich noch mal zu schauen.

So, das muss als Empfehlung definitiv reichen. Um es noch mal ganz eindeutig zu formulieren: Schaut! Euch! Diesen! Film! An!

Mein Fazit

Extrem spannendes Kammerspiel mit tollen Darstellern und einem Finale, das mich laut jubeln ließ. Toll!

Meine Wertung: 9/10

Angeschaut: „Nocturnal Animals“ (2016)

Puh, das war knapp! Jeweils innerhalb von zwei Wochen möchte ich über den Film schreiben, den ihr für mich aussucht – und heute, am letzten Tag, habe ich es gerade noch so geschafft. Ja ja, ich weiß, ihr hattet euch gleich für zwei Filme entschieden. Den zweiten („Everest“) hole ich schnellstmöglich nach, versprochen. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte, ungelogen, 1 1/2 Wochen lang mit starken Dauerkopfschmerzen zu kämpfen. Und ja, ich geb’s zu: In dieser Zeit wollte ich keine Filme schauen, die ich noch nicht kenne.

So, genug gejammert und verteidigt, los geht’s mit meiner (überdurchschnittlich umfangreichen) Review zu „Nocturnal Animals“!

Worum geht’s

Überraschend erhält Susan (Amy Adams) Post von ihrem Ex-Mann Edward (Jake Gyllenhaal), zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Das Paket enthält Edwards ersten Roman „Nocturnal Animals“, welchen er Susan gewidmet hat und deshalb wünscht, dass sie ihn zuerst liest.

Bereits nach den ersten Seiten ist Susan von der brutalen Geschichte fasziniert. In dieser werden Tony (ebenfalls Jake Gyllenhaal), seine Frau Laura (Isla Fisher) und deren Tochter India (Ellie Bamber) während einer nächtlichen Fahrt von dem psychopathischen Ray (Aaron Taylor-Johnson) und dessen Freunden von der Straße gedrängt. Tony wird von den Männern in der Wüste ausgesetzt, die Frauen verschleppt. Am nächsten Tag finden Tony und der raubeinige Polizist Bobby Andes (Michael Shannon) ihre Leichen …

Während sie den Roman liest, erinnert Susan sich daran, wieso sie sich damals für Edward entschied, ihn dann aber später für einen anderen Mann verließ. Nach und nach wird ihr klar, dass die in „Nocturnal Animals“ erzählte Geschichte eine größere, sehr persönliche Bedeutung hat …

Meine Meinung

Wow, was für ein Film. Wobei, eigentlich sind es gleich zwei Filme in einem. Aufgeteilt in drei Ebenen. Klingt verwirrend, ist es aber nicht.

Den größten Teil des Films nimmt die Handlung des Romans „Nocturnal Animals“ ein. Dieser lässt sich am ehesten als klassischer Rape-and-Revenge-Stoff bezeichnen, auch wenn das schreckliche Verbrechen (zum Glück) nicht gezeigt wird. Die hier gezeigte Welt ist brutal, staubig, schmutzig – und voller Gefühle. Verzweiflung, Wut und Trauer sind ständige Begleiter des Geschehens.

Im Gegensatz dazu steht die (reale) Welt von Susan, die schon beinahe klinisch sauber und ohne jegliche Emotionen ist. Hier bleibt alles oberflächlich, nichts ist von echter Bedeutung. Wobei dies nur für die erste Ebene, die Gegenwart gilt. Durch Susans Erinnerungen an ihre Vergangenheit mit Edward, der zweiten Ebene, wird klar, dass auch sie mal ein anderes Leben kannte, dieses aber aufgab, weil es ihren Ansprüchen nicht genügte.

Anfangs scheinen beide Welten voneinander unabhängig zu sein, doch mit zunehmender Laufzeit wird klar, dass beide eine ähnliche Geschichte erzählen. Und unheimlich viel Spielraum für eigene Interpretationen lassen. Nein, „Nocturnal Animals“ ist kein Film zum Gucken und Abhaken. Vielmehr lädt der Film dazu ein, sich über zahlreiche Szenen Gedanken zu machen. Insbesondere über das Ende, dem ich gleich noch einen eigenen Absatz widme. Ganz wichtig: Diesen Absatz solltet ihr nur lesen, wenn ihr den Film geschaut habt!

„Ich glaube, du solltest über etwas anderes schreiben, als über dich selbst.“ rät Susan Edward an einer Stelle, woraufhin dieser erwidert „Niemand schreibt über was anderes als sich selbst.“. Spätestens nach diesem Dialog dürfte jedem klar sein, dass all die Gefühle, die Tony in dem Roman durchlebt, ein Spiegelbild der Gefühle sind, die Edward nach der Trennung von Susan verarbeiten musste. Die Verzweiflung ob des überraschenden Verlusts. Die Wut auf den Mann, der ihm alles genommen hat. Aber auch die Vorwürfe an sich selbst, für das, was ihm wichtig war, nicht genug gekämpft und dadurch versagt zu haben. Und natürlich auch die Selbstzweifel, als Mensch, und insbesondere als Mann, nicht gut genug zu sein.

„Ist das alles, was du mit deinem Leben vor hast? War’s das hier? Das ist es, oder was?“ fragt Susan Edward in derselben Szene. Und offenbart damit endgültig, dass Edward für sie nicht (mehr) gut genug ist. Gleich mehrfach wird Edward, insbesondere von Susans Mutter, als Schwächling bezeichnet, der Susan nicht genug bieten kann, was letztlich auch zur Trennung führt. Doch ist Edward wirklich schwach, nur weil er nicht nach dem strebt, was die Gesellschaft uns allen vorlebt? Die Gesellschaftskritik ist hier unübersehbar, zumal Susans Welt an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten ist. Egal ob iPhone, Kollegin oder Partner, was nicht mehr hundertprozentig funktioniert, wird ohne zu zögern direkt ausgetauscht. Schöne heile Welt. Oder?

Die Welt in Edwards Roman „Nocturnal Animals“ hingegen zeigt ein anderes Bild. Hier wird nicht aufgegeben, sobald es mal nicht nach Plan läuft. Menschen werden nicht einfach fallengelassen, sondern unterstützen sich gegenseitig. Und leben ihre Werte, auch wenn diese moralisch fragwürdig bis abstoßend sind und dies gleich mehrfach Konsequenzen nach sich zieht. Ja, die Welt in „Nocturnal Animals“ ist rau, ungemütlich und bedrückend – aber sie ist ehrlich. Auf brutalste Art und Weise.

Beide Geschichten sind optisch eine Augenweide und auf ihre eigene Art spannend erzählt, zumal bis zum Ende hin offen bleibt, worauf das jeweilige Geschehen hinaus läuft und wie es für die Figuren endet.

Womit ich direkt zu den Darstellern komme – wobei ich gar nicht weiß, wen ich zuerst positiv erwähnen soll. Während Michael Shannon als knallharter Cop gewohnt souverän agiert, darf Aaron Taylor-Johnson eindrucksvoll beweisen, dass er weit mehr Talent in sich trägt, als ihm allgemein zugetraut wird. Seine Darstellung des psychopathischen Kriminellen ist abstoßend und faszinierend zugleich. Dass Amy Adams und Jake Gyllenhaal zu den Besten ihres Fachs gehören, ist kein großes Geheimnis. Dennoch möchte ich auch diese beiden positiv erwähnen, wobei mich insbesondere Adams kühle Art mal wieder extrem begeistert hat. Wie der von ihr gespielten Susan nach und nach klar wird, was aus ihr geworden ist, ist einfach beeindruckend gespielt.

Abschließend möchte ich noch den simplen, aber extrem eingängigen Score loben, den ich seit Sonntagabend hoch und runter höre. Es ist lange her, dass eine Filmmusik dies bei mir ausgelöst hat. Toll!

Das Ende - meine Interpretation

Am Ende hat Susan den Roman gelesen und möchte sich mit Edward in einem Restaurant treffen. Sie wartet – doch Edward erscheint nicht. Der Film endet.

Es gibt mehrere Theorien zu diesem Ende. Die wohl populärste ist die, dass der Roman eine Racheaktion von Edward ist, um Susan die Trennung von damals heimzuzahlen. Und sie dort im Restaurant hoffnungsvoll warten zu lassen, aber nicht zu erscheinen, ist der Abschluss dieser Rache.

Eine weitere Theorie lautet, dass der Roman als Abschiedsbrief zu verstehen ist und Edward nicht erscheint, weil er sich das Leben genommen hat. So wie auch Tony im Roman am Ende stirbt.

Ich werfe noch mal eine dritte Möglichkeit in den Raum: Meiner Meinung nach schreibt Edward den Roman, um Susan zu beweisen, dass sie sich in ihm geirrt hat. Zwar konnte er ihre Erwartungen damals nicht erfüllen, doch war er trotz aller Zweifel, auch der eigenen, stark genug, sich selbst treu zu bleiben, was letztlich zu diesem fesselnden, emotionsgeladenen Roman geführt hat. Dennoch ist Edward ein gebrochener, zutiefst verletzter Mann, der die Trennung nie überwunden hat. Deshalb bleibt er schlussendlich auch dem Treffen fern. Allerdings nicht, um Susan bewusst zu verletzen, sondern um zu verdeutlichen, dass der Mann, den Susan verlassen hat, damals innerlich gestorben ist. Und niemals zurückkehren wird.

Was haltet ihr von dieser Theorie?

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Mein Fazit

Faszinierende Mischung aus Rape-and-Revenge-Thriller und Beziehungsdrama, die mit tollen Darstellern, gelungener Gesellschaftskritik und einem unglaublich großen Interpretationsspielraum punktet. Ich bin begeistert!

Meine Wertung: 9/10

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