Kurz abgehakt: „Servant – Staffel 1“

Seit sie ihren 13 Wochen alten Sohn Jericho verloren hat, leidet Dorothy (Lauren Ambrose) an einer schweren Psychose und hat den Bezug zur Realität teilweise verloren. In der Hoffnung, damit Dorothys Trauma zu bewältigen, kauft ihr Mann Sean (Toby Kebbell) auf Anraten einer gemeinsamen Freundin eine lebensechte Babypuppe. Als Dorothy wieder arbeiten möchte, engagiert das Paar die junge Leanne (Nell Tiger Free) als Kindermädchen. Diese spielt perfekt mit und behandelt Jericho wie ein echtes Kind – zur großen Verwunderung Seans selbst dann, wenn Dorothy gar nicht im Haus ist …

Wer ein Apple-Gerät sein Eigen nennt, hat derzeit die Möglichkeit, sich die Mystery-Serie „Servant“ auch ohne Abo anzuschauen – und wer M. Night Shyamalan mag, sollte diese Chance definitiv nutzen. Gerade mal 10 Folgen à 30 Minuten lang, eignet sich die erste Staffel von „Servant“ perfekt für einen langen Mystery-Abend. Genre-Kenner erahnen zwar recht schnell, worauf die Chose hinausläuft, aber dennoch ist diese Mischung aus Drama, Thriller und Horror von Anfang bis Ende spannend, gut gespielt und zudem höchst atmosphärisch inszeniert. Insbesondere Folge 1 und 9, bei denen M. Night Shyamalan nicht nur produziert, sondern auch Regie geführt hat, stechen positiv hervor, wobei speziell Folge 9 nichts für schwache Nerven ist und einen menschlichen Horror zeigt, der selbst mich schlucken ließ. Wirklich schade ist eigentlich nur, dass die Staffel recht abrupt endet und viele Fragen offen lässt – bleibt zu hoffen, dass die bereits bestellte zweite Staffel diese auflöst …

Meine Wertung: 8/10

Kurz abgehakt: „Sweetheart“ (2019)

Nach einem Schiffsunglück wird Jenn (Kiersey Clemons) an einer kleinen, tropischen Insel angespült. Völlig auf sich gestellt, versucht die junge Frau lange genug zu überleben, bis Hilfe eintrifft. Dies gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet, denn jede Nacht kommt ein Monster an Land, das auf der Insel nach Nahrung sucht …

Zwar hatte ich vor einigen Wochen geschrieben, dass ich vorerst nur Filme vorstelle, die es bei einem der großen Streaming-Anbieter gibt, doch da ich gerade drei aktuelle Filme am Stück geschaut habe, möchte ich meinen Senf auch hierzu kurz loswerden. Los geht’s mit dem gestern völlig überraschend veröffentlichten Monster-Horrorfilm „Sweetheart“, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, der aber direkt mein Interesse weckte – und ich sollte nicht enttäuscht werden. Der Film bietet eine überraschend clevere Heldin, nimmt sich selbst erfreulicherweise komplett ernst und verzichtet auf jeglichen erzählerischen Ballast. Eine einsame Insel, ein unheimliches Monster, ein wehrhaftes Opfer – fertig ist der Film. Gerade mal knackige 82 Minuten ist diese aufs Wesentliche reduzierte Mischung aus „Cast Away“ und „Alien“ lang, wobei das Monster optisch eine schöne Hommage an „Der Schrecken vom Amazonas“ darstellt. Eine kleine Genre-Perle – nicht innovativ, aber in dem, was er sein möchte, nahezu perfekt.

Meine Wertung: 8/10

Kurz abgehakt: „The Irishman“ (2019)

Amerika in den 50er Jahren. Um sein Gehalt aufzubessern, verkauft der Lastwagenfahrer Frank Sheeran (Robert De Niro) Teile seiner Fleischladung an die örtliche Mafia. Durch einen Zufall lernt er Russell Bufalino (Joe Pesci), das Oberhaupt einer einflussreichen Mafia-Familie, kennen und steigt dadurch erst zum Auftragsmörder, später dann zum persönlichen Leibwächter des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino) auf …

Es kommt äußerst selten vor, dass ich das Bedürfnis verspüre, einen Film vorzeitig abzubrechen. Doch selbst wenn, schaue ich ihn mir grundsätzlich trotzdem bis zum Ende an. Man weiß ja nie, wie sich ein Film noch entwickelt. Bei „The Irishman“ hatte ich dieses Bedürfnis nach knapp 30 Minuten. Das Tragische daran: An diesem Punkt hatte ich noch drei Stunden vor mir.

Ja, Regisseur Martin Scorsese ist ein Meister seines Fachs und gehört zu Recht zu den ganz Großen. Ja, die Besetzung ist grandios. Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel gemeinsam in einem Film zu sehen, ist einfach toll. Und ja, auch Ausstattung und Kameraführung sind über alle Zweifel erhaben. Das nützt aber alles nichts, wenn der Film so distanziert, nüchtern und zäh inszeniert ist, dass mich sowohl die Figuren als auch die Geschichte völlig kalt lassen und ich einfach nur gelangweilt auf das Ende warte. Als Dokumentation hätte mir „The Irishman“ vielleicht sogar gefallen, doch als Spielfilm funktioniert dieser dröge Realismus für mich einfach nicht.

Meine Wertung: 5/10 (Cineasten dürfen an dieser Stelle gerne die Nase rümpfen und mitleidig auf mich herabblicken)

„The Irishman“ kann derzeit bei Netflix geschaut werden.

Kurz abgehakt: „The Accountant“ (2016)

Der mathematisch hochbegabte, jedoch auch an Autismus leidende Christian Wolff (Ben Affleck) ist als scheinbar unbedeutender Buchhalter in einer kleinen Steuerberatung tätig, arbeitet in Wirklichkeit jedoch für zahlreiche gefährliche Unterweltorganisationen. Als die Steuerfahndung ihm unter der Leitung von Ray King (J.K. Simmons) auf die Schliche zu kommen droht, übernimmt Christian einen gut bezahlten Auftrag der Firma Living Robotics. Dort hat die junge Buchhalterin Dana Cummings (Anna Kendrick) Unregelmäßigkeiten entdeckt, die Christian nun aufdecken soll. Als mehrere Profikiller auf Christian und Dana angesetzt werden, entpuppt sich die als harmloser Auftrag geplante Aufgabe als tödlicher Ernst …

Nachdem ich „The Accountant“ nun endlich gesehen habe, frage ich mich, wieso ich mir damit so lange Zeit gelassen habe. Regisseur Gavin O’Connor, der seit dem fantastischen „Warrior“ ohnehin ganz oben auf meiner Liste steht, hat hier eine absolut gelungene Mischung aus Drama und Actionthriller abgeliefert. Die Geschichte ist so clever wie spannend, die Figuren sind komplex und interessant und die Besetzung, neben den oben genannten sind unter anderem auch noch Jon Bernthal und John Lithgow mit dabei, ist nicht nur erfreulich hochkarätig, sondern auch hochmotiviert bei der Sache. Insbesondere Ben Affleck legt sich ordentlich ins Zeug und zeigt eine seiner bislang besten Leistungen – sowohl in den ruhigen, als auch in den actionreichen Szenen. Diese sind extrem knackig inszeniert und bereiten in ihrer kompromisslosen Art so richtig Freude – so wie das auf eine Fortsetzung hinarbeitende Ende. Würde sich aus „The Accountant“ eine Filmreihe entwickeln, ich hätte nichts dagegen …

Meine Wertung: 8/10

„The Accountant“ kann derzeit bei Netflix geschaut werden.

Kurz abgehakt: „Friedhof der Kuscheltiere“ (2019)

Um den Stress der Großstadt hinter sich zu lassen, zieht der Arzt Dr. Louis Creed (Jason Clarke) zusammen mit seiner Frau Rachel (Amy Seimetz) und seinen beiden Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo und Lucas Lavoie) aufs Land. Als eines Tages der Kater der Familie überfahren wird, führt Nachbar Jud (John Lithgow) Louis zu einer hinter dem örtlichen Tierfriedhof gelegenen Stelle, um das tote Tier dort zu begraben. Kurze Zeit später taucht der Kater scheinbar lebendig, aber charakterlich verändert wieder auf …

„Friedhof der Kuscheltiere“ gehört definitiv zu Stehen Kings bekanntesten Werken und dürfte vermutlich so gut wie jedem ein Begriff sein. Auch die erste Verfilmung erfreut sich großer Beliebtheit – trotz kleinerer Makel wie der teilweise schwachen darstellerischen Leistung. Von diesen Schwächen ist im Remake glücklicherweise nichts mehr zu spüren. Jason Clarke ist als erst zweifelnder, dann verzweifelter Arzt und Familienvater so gut wie immer und die junge Jeté Laurence schlicht fantastisch. Auch die durchaus atmosphärische Inszenierung lässt prinzipiell keine Wünsche offen – und doch schafft es „Friedhof der Kuscheltiere“ nicht in den Horrorolymp. Zum einen, weil das Geschehen trotz guter Darsteller überraschend oberflächlich bleibt, und zum anderen, weil die Änderungen in der Geschichte zwar für die eine oder andere Überraschung sorgen, letztlich aber die deprimierende Hoffnungslosigkeit des Originals vermissen lassen. Nichtsdestoweniger ein solider Grusler und für Stephen-King-Fans ohnehin ein Pflichtfilm.

Meine Wertung: 7/10

„Friedhof der Kuscheltiere“ kann derzeit bei Amazon Prime Video geschaut werden.

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