The Forever Purge (2021)

Vor acht Jahren wurde die Purge von Präsidentin Roan abgeschafft, doch nach ihrer Wiederwahl lassen die Neuen Gründungsväter das jährliche Ereignis wieder aufleben. Als die Nacht endet, geht das Morden allerdings weiter: Radikale Nationalisten wollen sich „ihr“ Land zurückholen, und töten jeden, der sich ihnen in den Weg stellt oder ihrer Meinung nach nicht zu Amerika gehört …

Die „The Purge“-Reihe war schon immer politisch, dabei aber noch nie besonders subtil – und „The Forever Purge“ macht hier keine Ausnahme. Der Film ist deutlich von der Trump-Ära inspiriert, bleibt dabei aber leider viel zu oberflächlich, und enttäuscht durch die vertanen Chancen. Wie spannend wäre es gewesen, zu sehen, wie die Neuen Gründungsväter zurück an die Macht kommen. Oder zu erleben, wie sich die Menschen über die Jahre radikalisieren, organisieren, und so zu den Forever-Purgern werden. Kurz: Wie es zu der Situation im Film kommen konnte. All dies wird in „The Forever Purge“ nur beiläufig angedeutet (Stichwort Fake-News), oder durch ein simples Feindbild (letztlich sind die Purgers allesamt rassistische Nationalisten) stark vereinfacht. Was bleibt, ist eine durchaus kompetent gefilmte Hetzjagd mit gelungenen Actionszenen und sympathischen Figuren, die als düsterer Actionthriller gut funktioniert, als Gesellschaftskritik aber weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt.

Meine Wertung: 6/10

Wolf Like Me – Staffel 1

Durch einen Autounfall lernt der alleinerziehende Gary (Josh Gad) die sympathische Mary (Isla Fisher) kennen, doch obwohl beide direkt einen Draht zueinander haben, lässt Mary ihn bereits nach dem ersten Date sitzen. Aus gutem Grund, wie Gary schon bald unfreiwillig herausfindet …

Der Titel dieser gerade mal 2 1/2 Stunden kurzen Serie lässt bereits erahnen, aus welchem Grund Mary Gary auf Distanz hält: Sie ist ein Werwolf. Dennoch handelt es sich bei „Wolf Like Me“ keineswegs um eine Horrorserie, sondern vielmehr um eine romantische Komödie, in der zwei einsame, vermeintlich kaputte Menschen trotz aller Widrigkeiten zueinander finden. Die Werwolfthematik dient lediglich als Metapher für all die Makel und Päckchen, die wir mit uns tragen, und die uns nur allzu oft glauben lassen, nicht gut genug zu sein. Dementsprechend lebt „Wolf Like Me“ auch nicht von blutigem Horror, der Wolf wird nur ein einziges Mal von der Leine gelassen, sondern von den sympathischen Figuren, der tollen Chemie zwischen Isla Fisher und Josh Gad, und nicht zuletzt von den zuweilen herrlich bissigen (entschuldigt das Wortspiel) Dialogen. Zugegeben, das alles ergibt keinen Meilenstein, aber verdammt sympathische Unterhaltung mit einer tollen Botschaft – und mehr braucht es manchmal nicht, um mich glücklich zu machen.

Meine Wertung: 8/10

Kurz abgehakt: „The Keep – Die unheimliche Macht“ (1983)

Auch wenn ihr es vielleicht nicht glaubt: Ich schaue nicht nur gerne Filme, sondern lese auch gerne (wenn auch viel zu wenig). Und F. Paul Wilson, dessen Roman „Das Kastell“ die Vorlage zu diesem Film darstellt, gehört zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern. Dass dieser Roman bereits in den Achtzigern von Michael Mann („Heat“, „Collateral“) verfilmt wurde, war mir seit längerem bekannt, doch leider gab es seit Jahren keine legale Möglichkeit, diesen Film zu schauen. Durch Zufall bekam ich neulich mit, dass Amazon Prime den Film inzwischen als Streaming-Kauf anbietet – und so konnte ich nun endlich auch diese Bildungslücke schließen.

Worum geht’s

Rumänien, 1941. Hauptmann Woermann (Jürgen Prochnow) soll mit seinem Trupp einen Bergpass sichern und bezieht hierzu in einer verlassenen Burg Stellung. Als in den folgenden Tagen mehrere Soldaten unter unerklärlichen Umständen ums Leben kommen und mysteriöse Schriftzüge an den Wänden auftauchen, bittet Woermann um Versetzung des Trupps, bekommt stattdessen jedoch den brutalen Sturmbannführer Kaempffer (Gabriel Byrne) zur Seite gestellt. Dieser zwingt den Geschichtsexperten Dr. Cuza (Ian McKellen), die Schriftzüge zu übersetzen. Während Dr. Cuza herausfindet, dass ein mächtiges Wesen in den Mauern der Burg eingesperrt wurde, macht sich der geheimnisvolle Glaeken Trismegestus (Scott Glenn) von Griechenland aus auf den Weg, um die Befreiung des Bösen zu verhindern …

Meine Meinung

Leider macht es mir der Film nicht wirklich einfach, ihn ebenso zu mögen wie den Roman. Und das Schlimme ist: Der Film kann (größtenteils) nicht mal was dafür. Da dem Studio die fertige Fassung nicht gefiel, ließ es etliche Szenen herausschneiden, bis von den ursprünglichen 210 Minuten nur noch knapp über 90 übrig waren. Und das merkt man dem Film leider auch an. Die jetzige Schnittfassung wirkt zerstückelt und wirr. Vieles wird angedeutet, aber nie auserzählt. Wer den Roman nicht kennt, dem dürfte es schwer fallen, in die Geschichte zu finden und ihr zu folgen. Besonders schlimm hat es bei den Schnitten die Musik getroffen, die aufgrund der nachträglichen Bearbeitung teilweise so abrupt endet und wieder einsetzt, dass sich die jeweiligen Szenen absolut nicht mehr ernst nehmen lassen.

Wobei ich leider sagen muss, dass ich die Filmmusik stellenweise so oder so als unpassend empfunden habe. Ja, der Film wurde in den frühen Achtzigern gedreht, aber schon damals hätten die Beteiligten ahnen können, dass es keine gute Idee ist, spannende und unheimliche Szenen mit fast schon heiterer Synthie-Musik zu unterlegen. Manche Dinge sollten einfach John Carpenter vorbehalten sein – der weiß, wie es geht. Umso bedauerlicher ist dies, da das Setdesign ziemlich fantastisch ist und die wunderbar düster-atmosphärischen Bilder auch heute noch überzeugen können. Zugegeben, speziell den Effekten sieht man ihr Alter mehr als deutlich an, aber für die damalige Zeit sieht das alles dennoch verdammt gut aus.

Wirklich schade, dass sich das Studio so stark eingemischt hat. Übriggeblieben ist letztlich ein interessanter Film mit guten Ansätzen und fantastischen Darstellern, dessen vorhandenes Potential sich jedoch nur erahnen lässt. Filmhistoriker und Fans von F. Paul Wilsons Widersacher-Zyklus sollten einen Blick riskieren, allen anderen dürfte „The Keep“ zu speziell sein. Mal schauen, vielleicht wird eines Tages ja doch noch die ursprüngliche Version des Regisseurs veröffentlicht. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Meine Wertung: 6/10

Kurz abgehakt: „Matrix Resurrections“ (2021)

Worum geht’s

Beruflich könnte es für ihn dank seiner beliebten „Matrix“-Trilogie nicht besser laufen, doch privat plagen den Spieledesigner Thomas Anderson (Keanu Reeves) Selbstzweifel und Halluzinationen, die er nur dank regelmäßiger Gespräche mit seinem Therapeuten (Neil Patrick Harris) einigermaßen im Griff hat. Als sich die merkwürdigen Geschehnisse in seinem Umfeld häufen, beginnt Anderson sich zu fragen, ob die Matrix mehr sein könnte als eine von ihm erdachte Videospielreihe …

Meine Meinung

„Matrix“ schrieb 1999 Filmgeschichte und gehört für mich zu den besten Filmen aller Zeiten. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ hingegen konnten mich, zurückhaltend formuliert, nie so richtig überzeugen – nicht zuletzt, da einige der durchaus interessanten Ansätze des zweiten Teils im dritten so banal aufgelöst wurden, dass ich bei den betreffenden Szenen noch heute mit den Augen rolle. Nein, wirklich zufrieden, geschweige denn glücklich, war ich mit dem Abschluss der Reihe nie. Doch nun, knapp 20 Jahre später, wird das Matrix-Universum um ein neues Kapitel erweitert. Und auch wenn „Matrix Resurrections“ seine Schwächen hat, so kann ich mit diesem Ende(?) wesentlich besser leben als mit dem bisherigen.

Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern schaltet der Film gleich mehrere Gänge runter und erzählt eine eher kleine, fast schon intime Geschichte. Vergesst das Schicksal der gesamten Menschheit, hier geht es „nur“ um zwei Menschen, die sich in ihrer jeweiligen Welt verloren fühlen, ahnend, dass das Leben noch mehr für sie bereit hält. Dass hierbei erneut zahlreiche philosophische und gesellschaftliche Themen behandelt werden, dürfte niemanden überraschen. Der deutlich gesteigerte Humoranteil hingegen schon. Aber keine Sorge: Auch wenn „Matrix Resurrections“ voller Anspielungen steckt, nimmt er sich und seine Vorgänger absolut ernst und integriert seinen Meta-Humor durchaus schlüssig in die Handlung.

Leider patzt „Matrix Resurrections“ ausgerechnet dort, wo selbst seine beiden Vorgänger noch einigermaßen punkten konnten: bei der Action. Nicht, dass diese schlecht wäre, aber sie fällt leider überraschend unspektakulär aus. Speziell im Vergleich zu dem, was wir aus den Vorgängern kennen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin wirklich der letzte, der solch ausufernde (und nach wenigen Minuten ermüdende) Materialschlachten wie in „Matrix Revolutions“ braucht, aber mindestens ein Wow-Moment wäre schon ganz schön gewesen. Hinzu kommt, dass die Kamera speziell bei den Kampfszenen sehr nah am Geschehen ist. Oft leider so nah, dass die Übersichtlichkeit darunter leidet. Das hat insbesondere der erste „Matrix“ deutlich besser hinbekommen.

Nichtsdestoweniger ist „Matrix Resurrections“ eine erfreulich gelungene Fortsetzung, mit der ich so nicht mehr gerechnet hatte. Hierbei darf es jetzt aber auch gerne bleiben.

Meine Wertung: 8/10

Filmrückblick KW 21

The Woman in the Window (2021)

Die unter Platzangst leidende Kinderpsychologin Anna Fox (Amy Adams) beobachtet vom ihrem Fenster aus den Mord an ihrer Nachbarin (Julianne Moore), doch aufgrund ihrer psychologischen Verfassung schenkt ihr die Polizei keinen Glauben …

Amy Adams, Julianne Moore, Jennifer Jason Leigh, Gary Oldman, Wyatt Russell und Anthony Mackie – was kann bei solch einer Darstellerriege schon schiefgehen? Leider eine ganze Menge, denn von den tollen Darstellern und einer wirklich edlen Optik einmal abgesehen, hat „The Woman in the Window“ leider recht wenig zu bieten. Langweilig wird der Film zwar nie, wirklich spannend aber auch nicht. Und mindestens zwei der zahlreichen Twists kommen so aus dem Nichts, dass sie komplett ihre Wirkung verfehlen. Da schaue ich doch lieber zum wiederholten Male Alfred Hitchcocks Meisterwerk „Das Fenster zum Hof“ oder, wenn es etwas moderner sein soll, D. J. Carusos „Disturbia“.

Meine Wertung: 6/10

Zack Snyder’s Justice League (2021)

Nach Supermans (Henry Cavill) Tod sieht Steppenwolf (Ciarán Hinds) endlich seine Chance gekommen, die Erde mit Hilfe der mächtigen Mutterboxen einzunehmen, doch Batman (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) stellen sich ihm, unterstützt von Aquaman (Jason Momoa), Cyborg (Ray Fisher) und dem Flash (Ezra Miller), entschlossen entgegen …

Jupp, Zack Snyders vier Stunden lange, sich glücklicherweise aber kürzer anfühlende Version dieses Films ist ohne Zweifel deutlich besser als der Whedon-Cut. Klar, nicht alle Schwachpunkte wurden beseitigt (die Dialoge sind teilweise immer noch, nun ja …), aber insgesamt hinterlässt diese Version einen deutlich runderen und in sich schlüssigeren Eindruck, wovon speziell die neu eingeführten Figuren profitieren. Und der Epilog macht dann tatsächlich noch mal Lust auf mehr – wirklich bedauerlich, dass die offenen Handlungsstränge wohl nie zu einem Abschluss gebracht werden … werden. Komm schon, Warner: Gib dir ’nen Ruck!

Meine Wertung: 8/10

Honest Thief (2020)

Jahrelang hat Tom Dolan (Liam Neeson) Banken ausgeraubt, nun möchte er sich der Liebe wegen dem FBI stellen und das gestohlene Geld zurückgeben. Leider gerät er dabei an den korrupten Agenten John Nivens (Jai Courtney), der das Geld behält und Tom einen Mord anhängt …

Handwerklich solider Actionthriller, der das Rad zwar nicht neu erfindet, dank des wie immer motivierten Liam Neeson (davon dürfte sich Bruce Willis gerne mal eine Scheibe abschneiden) und der zwar seltenen, dann aber durchaus brauchbaren Actionszenen gut zu unterhalten weiß. Viel Freude bereiten außerdem Kate Walsh als sympathisch-quirlige Annie sowie Jeffrey Donovan als das Herz (und die Hündin) am rechten Fleck tragender FBI-Agent. Kein Film für die Ewigkeit, aber sympathisch genug, um ihn auch ein zweites Mal zu schauen.

Meine Wertung: 7/10

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
%d Bloggern gefällt das: