Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst (2022)

Es gibt Phasen, in denen mir Social Media wirklich Spaß macht. Und es gibt Phasen, in denen Social Media mich unfassbar nervt, und in denen mir noch stärker als sonst auffällt, wie negativ sich all diese Plattformen auf uns auswirken. Derzeit befinde ich mich definitiv in einer Geh-mir-weg-mit-Social-Media-Phase. Dementsprechend war ich heute in genau der richtigen Stimmung, um mir den Thriller „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“ anzuschauen – und habe jetzt das dringende Bedürfnis, dem Film ein Like dazulassen.

Worum geht’s

Die Reise-Influencerin Madison (Emily Tennant) lernt in Thailand die scheinbar locker in den Tag hinein lebende CW (Cassandra Naud) kennen. Als in Madisons Hotelzimmer eingebrochen und ihr Reisepass gestohlen wird, bietet CW ihr an, bis zur Ausstellung des Ersatzpasses bei ihr zu wohnen. Doch schnell zeigt sich, dass CW nicht die ist, die sie vorgibt zu sein – und ganz eigene Absichten verfolgt …

Meine Meinung

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut, diesen auch ganz nett findet, dann etwas passiert, womit ihr nicht gerechnet habt, und ihr den Rest des Films mit einem breiten Grinsen im Gesicht schaut? So ging es mir mit „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie die Geschichte ablaufen würde, doch der Film schlägt recht früh eine Richtung ein, die ich so definitiv nicht habe kommen sehen. Ab diesem Moment hatte ich den Film in mein Herz geschlossen.

Da ich nicht zu viel verraten möchte, nur so viel: „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“ ist ein kleiner, herrlich böser und trotz seiner ruhigen Inszenierung überraschend spannender Thriller, bei dem ich mich ständig gefragt habe, was wohl als nächstes passiert. Thailand ist dabei als Kulisse ebenso schön anzuschauen wie Cassandra Naud als eiskalte Psychopathin, über die man zum Glück nie mehr erfährt als unbedingt nötig, wodurch die Figur erfreulich mysteriös bleibt.

Als fast schon altmodischer Thriller hat „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“ für mich ganz hervorragend funktioniert. Als Influencer- und Social-Media-Kritik hingegen nur bedingt. Diesbezüglich kratzt der Film dann doch eher an der Oberfläche und zeigt letztlich nur das, was wir ohnehin schon alle wissen, nämlich dass Inhalte nicht selten nur gefakt und vermeintlich tiefgründige Worte grundsätzlich nichts als leere Sprüche sind. Ein wenig stärker ist der Film, wenn er in eher intimen Momenten zeigt, dass wir im Grunde alle dafür anfällig sind, uns für Follower und Likes zu verbiegen, weil wir sie mit Freunden und Anerkennung verwechseln. Von solchen Szenen hätte es gerne mehr geben dürfen.

So oder so hat mir „Influencer – Trau niemandem, dem Du folgst“ ausgesprochen gut gefallen. Auch wenn inhaltlich noch mehr drin gewesen wäre. Wer mal wieder einen eher klassischen Psychothriller sehen möchte, macht hiermit definitiv nichts verkehrt.

Meine Wertung: (knappe) 8/10

Thanksgiving (2023)

2007 brachten Robert Rodriguez und Quentin Tarantino mit „Planet Terror“ und „Death Proof“ ihre ganz eigene Liebeserklärung an die alten Grindhouse-Vorstellungen in die Kinos. Mit dabei waren diverse Fake-Trailer, unter anderem der von Eli Roth inszenierte Trailer zum Slasher „Thanksgiving“. 16 Jahre später ist aus dem ursprünglichen Fake-Trailer ein richtiger Film geworden – wer hätte damit noch gerechnet?

Worum geht’s

Als ein Kaufhaus in Plymouth an Thanksgiving mit verfrühten Black-Friday-Rabatten lockt, endet das Chaos in einer Katastrophe, bei der mehrere Menschen ums Leben kommen. Ein Jahr später beginnt ein als Pilger verkleideter Unbekannter damit, die Personen zu ermorden, die an dem Chaos beteiligt waren. Schnell geraten auch Jessica (Nell Verlaque) und ihre Freunde ins Visier des Killers. Nicht zuletzt, da sie für die Ausschreitungen, wenn auch unbeabsichtigt, mitverantwortlich waren …

Meine Meinung

Hach, wie schön: „Thanksgiving“ ist so herrlich altmodisch, dass ich mich beim Schauen direkt 25 Jahre jünger gefühlt habe. Spötter könnten jetzt anmerken, dass dieses Gefühl vermutlich nur aufkam, weil der Film absolut nichts Neues bietet und mit seiner schlichten Prämisse eher in die damalige Slasher-Welle rund um „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und „Düstere Legenden“ gepasst hätte. Und wisst ihr was: Sie hätten damit sogar Recht. Dennoch habe ich diese Rückbesinnung auf das Wesentliche sehr genossen. Tiefgründiger und psychologischer Horror ist schön und gut, aber manchmal brauche ich einfach nur einen maskierten Killer, eine Handvoll Opfer und ein paar blutige Morde, um glücklich zu sein.

Gut, die Rahmenbedingungen sollten natürlich auch noch stimmen. Glücklicherweise ist dies bei „Thanksgiving“ der Fall. Die Story ist zweckmäßig und enthält insbesondere zu Beginn sogar ein bisschen Gesellschaftskritik. Die Figuren sind gerade noch sympathisch genug, dass mir deren Schicksal nicht gänzlich egal war. Und die Morde sind gut verteilt sowie kompetent und mit angenehmer Härte inszeniert – auch wenn sie gerne noch etwas böser hätten ausfallen dürfen.

Ja, „Thanksgiving“ ist im Grunde nichts Besonderes und wird definitiv niemals einen Innovationspreis gewinnen. Dennoch bietet er mehr als solide Slasher-Unterhaltung. Kurz: Ein Film für Fans. Und somit ein Film für mich.

Meine Wertung: 7/10

Speak No Evil (2022)

Vor zwei Tagen wurde der Trailer zum Remake des dänischen Thrillers „Speak No Evil“ veröffentlicht. Dieser Film stand ohnehin bereits auf meiner Watchlist, und nachdem mich der Trailer mehr als positiv überrascht hatte, fühlte ich mich fast schon genötigt, das Original direkt zu bestellen. Gesagt. Getan. Geschaut. Wie mir der Film gefallen hat, erfahrt ihr … jetzt!

Worum geht’s

Die Dänen Bjørn (Morten Burian) und Louise (Sidsel Siem Koch) machen gemeinsam mit ihrer Tochter Agnes (Liva Forsberg) Urlaub in der Toskana. Dort lernen sie die Niederländer Patrick (Fedja van Huêt) und Karin (Karina Smulders) sowie deren Sohn Abel (Marius Damslev) kennen, mit denen sie sich auf Anhieb gut verstehen. Ein paar Monate später erhalten Bjørn und Louise eine Einladung von Patrick und Karin, und beschließen, ihre neuen Freunde in deren Haus auf dem Land zu besuchen und mit ihnen ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Doch bereits nach kurzer Zeit fühlen sich die Dänen unbehaglich – nicht zuletzt, da Patrick und Karin sich zunehmend merkwürdiger zu verhalten scheinen …

Meine Meinung

Ich mache es kurz und schmerzlos: „Speak No Evil“ ist ein durchaus sehenswerter Film, hat mich dann aber doch nicht so überzeugt, wie ich es nach den zahlreichen positiven Kritiken vermutet hätte. Die Darsteller machen ihre Sache gut, und insbesondere die düstere Atmosphäre sowie der langsame, aber stetige Spannungsaufbau haben mir durchaus zugesagt. Weniger gut gefallen hat mir jedoch das Drehbuch, das speziell im letzten Akt ziemlich schwächelt. Nicht nur, dass ich den „Twist“ und die letzte Einstellung des Films bereits nach 10 Minuten habe kommen sehen (ja, ich habe extra auf die Uhr geschaut), auch das Verhalten der Figuren wird zum Ende hin immer unglaubwürdiger bis komplett hanebüchen. So hanebüchen, dass es sich bei mir leider auch auf die Spannung auswirkte, denn mitfiebern konnte bzw. wollte ich ab einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr.

Ein wenig schade ist das schon, denn abgesehen von den letzten 15 bis 20 Minuten, in denen die Geschichte ziemlich in sich zusammenfällt, hat mich der Film absolut überzeugt – zumal er durchaus interessante Fragen in den Raum und damit zur Diskussion stellt: Bis zu welchem Punkt sind Höflichkeit und Toleranz angebracht? Und wie würden wir in solch einer Situation reagieren? Allerdings wurden diese Fragen bereits 2015 in dem meiner Meinung nach insgesamt deutlich stimmigeren „The Invitation“ gestellt. Wer also einen spannenden Film mit Diskussionspotenzial sehen möchte, dem sei dieser hiermit aus tiefster Überzeugung ans Herz gelegt.

So oder so bin ich jetzt sehr gespannt, was Hollywood mit seinem Remake aus dieser Vorlage macht …

Meine Wertung: 7/10

Wo die Lüge hinfällt (2023)

Manchmal dürstet es mich nach Dingen, die in meinem Leben üblicherweise keine Rolle spielen. Heute zum Beispiel verspürte ich ein unstillbares Verlangen nach Liebe, guter Laune und attraktiven Menschen. Also kaufte ich mir vorhin spontan die romantische Komödie „Wo die Lüge hinfällt“. Wer einen Blick auf meine größtenteils aus Horror-, Science-Fiction- und Actionfilmen bestehende Filmsammlung wirft, wird es vielleicht nicht glauben, aber tief im Inneren bin ich ein hoffnungsloser Romantiker. Das Problem mit den romantischen Komödien ist: Es gibt nur wenige, die mich wirklich überzeugen können.

Will Glucks freie Interpretation des Theaterstücks „Viel Lärm um nichts“ ist eine dieser seltenen Ausnahmen. In dieser täuschen Bea (Sydney Sweeney) und Ben (Glen Powell) während eines Hochzeitswochenendes eine Beziehung vor, nur um dabei festzustellen, dass sie tatsächlich füreinander bestimmt sind. Ja, das ist kitschig und vorhersehbar, aber es ist auch romantisch und verdammt witzig. So witzig, dass ich mehrmals Tränen lachen musste. Das komödiantische Timing ist spitze, die Dialoge sind herrlich bissig, die Chemie zwischen Sydney Sweeney und Glen Powell ist von Anfang an grandios und die Nebenfiguren sind auf ihre schräge Art allesamt liebenswert. Oder anders formuliert: „Wo die Lüge hinfällt“ ist ein unglaublich sympathischer Gute-Laune-Film, der das Rad zwar nicht neu erfindet, aber genau das liefert, was solch ein Film liefern sollte.

Meine Wertung: 8/10

Silent Night: Stumme Rache (2023)

Am Mittwoch informierte Amazon mich darüber, dass sich der Versand meiner vorbestellten Blu-ray von „Silent Night: Stumme Rache“ verzögern würde. Vermutlich sogar um mehrere Wochen. Da ich mich ziemlich auf den Film gefreut und ihn fest fürs Wochenende eingeplant hatte, war ich entsprechend geknickt. Doch nur einen Tag später trudelte abends überraschend die Versandbestätigung bei mir ein. Und am Samstag konnte ich den Film dann voller Freude in meinen Händen halten. Ach ja, es sind die kleinen Dinge im Leben, die mich glücklich machen.

Worum geht’s

Bei einem Schusswechsel zwischen zwei Gangs wird Brians (Joel Kinnaman) Sohn von einer Kugel getroffen und stirbt. Brian selbst wird am Kehlkopf verletzt und verliert dadurch seine Stimme. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wird, gibt Brian sich erst dem Alkohol hin, schwört dann aber Rache …

Meine Meinung

Satte 20 Jahre nach seinem letzten US-Film (nicht der Rede wert: „Paycheck – Die Abrechnung“) und immerhin sechs Jahre nach seiner letzten Regiearbeit (ebenfalls nicht der Rede wert: „Notwehr“) ist John Woo endlich zurück. Der Mann, dem wir Filme wie „Hard Boiled“, „The Killer“, „A Better Tomorrow“ und „Harte Ziele“ zu verdanken haben. Der Mann, der Action-Geschichte geschrieben und die Inszenierung von Zeitlupe, beidhändigem Schießen und langen Mänteln in Actionfilmen praktisch erfunden (oder zumindest perfektioniert) hat. Und der Mann, der auch mit „Silent Night“ leider nicht zu seiner alten Form zurückfindet.

In gewisser Weise ist „Silent Night“ fast schon eine Mogelpackung, denn die für John Woo typischen Szenen lassen sich hier an einer Hand abzählen. Ohne Daumen. Und blinzeln sollte man dabei bitte auch nicht, so kurz sind sie. Was nicht bedeutet, dass „Silent Night“ ein schlechter Film ist. Die Story ist zweckmäßig, die Darsteller sind okay und die Action ist kompetent (sowie erfreulich kompromisslos) inszeniert. Am Ende bleibt jedoch nichts davon wirklich in Erinnerung. Auch nicht die Tatsache, dass in dem Film so gut wie nicht gesprochen wird, was mehr ein Gimmick als ein echtes Stilmittel ist.

Action-Fans dürfen gerne einen Blick riskieren. Insbesondere die letzten 30 Minuten bereiten durchaus Freude. John-Woo-Fans sollten vorher jedoch ihre Erwartungen senken, denn die Handschrift des Meisters ist hier einfach viel zu selten zu erkennen.

Meine Wertung: 6/10

Fast & Furious 10 (2023)

Es gibt Filme, die sind so dumm, dass sie auf eine gewisse Art schon wieder unterhaltsam sind. Und es gibt Filme, die sind einfach nur dumm. „Fast & Furious 10“ aka „Fast X“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie, was mit Blick auf den nicht minder miserablen Vorgänger leider keine große Überraschung darstellt.

Die Story ist schnell erzählt, da nicht vorhanden: Dante (Jason Momoa) will Rache für den Tod seines Vaters und macht hierzu Jagd auf Dominic Toretto (Vin Diesel) und dessen Crew. Ja, und das war’s auch schon.

Was sich daraus ergibt, kennen wir bereits aus dem Vorgänger: unfreiwillig komische Dialoge rund um Ehre und die Familie, erschreckend viele Szenen, die nichts zur eigentlichen Handlung beitragen, und natürlich völlig überzogene CGI-Action ohne Sinn, Verstand und Gespür für eine packende Inszenierung. Die letzte Stunde dieser 142-minütigen Intelligenzbeleidigung ist so dämlich, dass ich sie nur im dauerhaften Facepalm-Modus ertragen konnte. Das Einzige, was dieses Machwerk ein Stück weit erträglicher macht als den ebenfalls kolossal vergeigten Vorgänger, ist die Performance von Jason Momoa. Dieser scheint als Einziger begriffen zu haben, in was für einem Schund er hier mitwirkt, und dreht dementsprechend komplett frei – was einerseits zwar lustig anzusehen ist, andererseits aber auch dafür sorgt, dass seine Figur eher einer Karikatur gleicht und keine echte Bedrohung ausstrahlt.

Am meisten ärgert mich jedoch, dass dieser Streifen sich anmaßt, inhaltlich an den tatsächlich verdammt unterhaltsamen und wohl besten Teil der Reihe „Fast & Furious Five“ anzuschließen. Eine Fortsetzung wie diese hat „Fast 5“ definitiv nicht verdient!

Meine Wertung: 3/10

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